Die Polizeiberichte unserer Zeitungen melden sie mit erschreckender Regelmäßigkeit, und der Leser nimmt sie mehr oder weniger erschüttert zur Kenntnis: die täglichen Verkehrsunfälle. Das Statistische Bundesamt registriert sie, und aus ihren Zahlenkolonnen wird deutlich, daß besonders die Zahl der jugendlichen Verkehrssünder (bis 18 Jahre) stetig im Steigen begriffen ist: 1960 waren es 7300, 1961: 10 419 Jugendliche, die wegen Verkehrsdelikte verurteilt wurden. Die Zahl für 1962 steht noch nicht fest, es läßt sich aber heute schon mit Gewißheit sagen, daß die Zahlen für 1962 und 1963 wesentlich höher liegen. Dr. H. Dorn, Gerichtsassessor und Sachbearbeiter für Verkehrsstrafsachen in Schweinfurt, der die wachsende Zahl jugendlicher Verkehrssünder täglich vor Augen hat, fühlt sich durch seine Erfahrungen gedrängt, eine Reform der bislang geübten Praxis, Führerscheine an junge Menschen auszuteilen, zu fordern. Seine Anregungen sind nachdenkenswert.

Man liest es immer wieder, und die Statistiken scheinen es zu beweisen: ein großer Teil der schweren Verkehrsunfälle wird von jungen Menschen verursacht, die zwischen 18 und 25 Jahren alt sind. Die eigene Erfahrung bestätigt es: Jugendliche und Heranwachsende stellen bei Verkehrsverfehlungen einen hohen Prozentsatz der Täter. Der bayerische Justizminister berichtete im letzten Jahr, daß die Zahl der Jugendlichen, die an Verkehrsdelikten beteiligt war, um fast 30 Prozent zugenommen habe. Das Jugendstrafrecht versucht, auf Grund des Erziehungsgedankens mit ausgesuchten Maßnahmen dem jugendlichen Täter wieder auf den rechten Weg zu helfen und läßt ihm jede mögliche staatliche Hilfe angedeihen. Man sollte nun nicht erst warten, bis sich diese jungen Menschen im Straßenverkehr strafbar gemacht haben, und dann mit dem Strafapparat reagieren. Es muß schon vorher etwas geschehen.

Ein Versuch in diese Richtung war der Entwurf zu einer Neufassung der Straßenverkehrszulassungsordnung, der vorsah, das Mindestalter für den Erwerb des Führerscheins der Klasse III (Personenkraftwagen und Lastkraftwagen bis zu 7,5 Tonnen) auf 20 Jahre hinaufzusetzen. Der Entwurf blieb bei den Akten, denn der Bundesrat stimmte ihm nicht zu. Verkehrsrichter, Staatsanwälte und nicht zuletzt die Verkehrspolizisten auf der Straße bedauern dies, denn gerade sie wissen, daß der junge Mensch zwischen 18 und 20 Jahren allzu leicht – von den technischen Möglichkeiten eines Kraftfahrzeuges fasziniert – dem Geschwindigkeitsrausch verfällt und einen Verkehrsunfall „baut“. Schon für einen erwachsenen Menschen stellen technische Errungenschaften häufig eine große Versuchung dar, sie zu mißbrauchen. Sei es, daß er infolge menschlicher Unzulänglichkeit nicht mehr in der Lage ist, die technische „Apparatur“ zu beherrschen, oder daß er aus Bequemlichkeit oder sonstiger Schwäche der Technik unterliegt. Die laufend verbesserten Typen unserer Kraftfahrzeuge, die ein immer schnelleres Fahren ermöglichen, sind ein permanenter Anreiz zu größeren Risiken und folgenschwerem Mißbrauch.

Junge Menschen im Alter von 18 Jahren haben häufig ein noch nicht so stark entwickeltes soziales Empfinden, aus dem heraus ihnen ein vernünftiger Gebrauch der Verkehrsmittel von selbst eingegeben wird. Es geht hier auch nicht nur um einen Schutz der Allgemeinheit vor diesen jugendlich-leichtsinnigen Tätern, vielmehr müssen die Jugendlichen noch weitgehend vor sich selbst geschützt werden. Soll nun der Gesetzgeber weiterhin dazu Vorschub leisten, daß Menschen, die häufig am Beginn ihres beruflichen Werdeganges stehen, wegen verkehrsstrafrechtlicher Verfehlungen vorbestraft werden? Läßt sich diese schwere Hypothek für ihren Lebensweg nicht vermeiden?

Der entscheidende erste Schritt, diesen Mißstand zu beheben, müßte darin bestehen, das Mindestalter zum Fahren der Fahrzeuge der Klasse III auf 21 Jahre heraufzusetzen. Dadurch wäre dann auch die Diskrepanz beseitigt, daß ein 18jähriger einen Mietwagen zwar fahren darf, diesen wegen fehlender Geschäftsfähigkeit eigentlich aber gar nicht hätte mieten dürfen.

Die Erlaubnis, Fahrzeuge der Klasse II (in erster Linie Lastkraftwagen über 7,5 Tonnen) zu fahren, sollte nur denen erteilt werden, die mindestens 24 Jahre alt sind. Wirtschaftliche, insbesondere konjunkturpolitische Gesichtspunkte haben zurückzutreten. Wenn man dann noch an die zur Genüge bekannten Mopedrasereien der Jugendlichen in unseren Städten denkt, so scheint es angebracht, die Fahrerlaubnisse für die Klassen IV und V nur denen zu geben, die das 18. Lebensjahr vollendet haben.

Es ist Aufgabe des Gesetzgebers, also des Bundestages, hier Schritte zu unternehmen. Kommt es dazu nicht, so sind zumindest die Prüfungsanforderungen an die Jugendlichen zu heben und dabei besonderes Gewicht auf die charakterliche Reife, das entwickelte Verantwortungsbewußtsein der jungen Führerscheinanwärter zu legen.