HANNOVER (Kestner-Gesellschaft):

„Vasarely“

Victor Vasarely gilt als der legitime Erbe der Malewitsch und Mondrian. Er ist beim Suprematismus, beim „stijl“, auch beim Bauhaus – in seiner Budapester Filiale, dem „Mühely“ – in die Schule gegangen und hat später die Galerie Denise René mitbegründet, das Pariser Sammelbecken der Alt- und Neukonstruktivisten. Er hat indessen, bevor der Konstruktivismus sich gänzlich totgelaufen und die geometrischen Grundformen bis in die Monotonie endloser Wiederholungen durchexerziert hatte, ihm etwas Neues beigebracht: die kinetische Dimension, das bewegte Bild. Durch überlagern, überschneiden und Verschieben der Perspektiven gerät das geometrisch angelegte Bildgerüst in Vibration. Bildtiefe, Räumlichkeit wird erzeugt, Türen werden geöffnet, Hinterräume aufgetan, nur daß Vasarelys Tiefenblick, im Gegensatz zum barocken Raumillusionismus, wiederum mit Hilfe der Geometrie, gänzlich nüchtern bleibt, bar jeder metaphysischen Spekulation. In seinen kinetischen Objekten geht er dann einen fragwürdigen Schritt weiter: Was sich in den Tafelbildern auf zwei verschiedenen räumlichen Ebenen abspielt, wird auseinandergenommen und auf zwei Glasplatten übertragen (die Lineamente werden auf Securit eingraviert), die Platten werden hintereinander montiert, und indem der Betrachter sich vor ihnen bewegt, bewegt sich das Bild, das Objekt, das Lineament. Der nächste Schritt wären die durch Motoren bewegten oder mit Handhebel zu bewegenden Gebilde der jungen Kinetiker und „Zero“-Leute, Vasarely selber geht nicht so weit, er bleibt bei der „unbewegten Bewegung“. Daß seine Bilder den Betrachter kalt lassen, entspricht durchaus den Intentionen des Künstlers, dessen Werk „die Überwindung des Individuellen zum eigentlichen Inhalt hat“ – so Wieland Schmied im Katalogvorwort. Vasarelys eigene These: „Das Kunstwerk als Träger persönlichen Ausdrucks, versehen mit Endgültigkeitscharakter, hat sich überlebt.“ Wer diese Ansicht nicht teilt, wird das Werk Vasarelys mit Skepsis zur Kenntnis nehmen, ihm aber zum mindesten seinen ungeheuren Einfluß auf die moderne Gebrauchsgraphik attestieren. Die Kestner-Gesellschaft bringt – bis zum 26. Januar – die erste große Retrospektive in Deutschland. Die Ausstellung mit rund 100 Bildern, Objekten, Tapisserien und Graphik geht von Hannover weiter nach Düsseldorf (Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen), Bern (Kunsthalle) und Berlin (Haus am Waldsee).

STUTTGART (Gustav-Siegle-Haus):

„Bücher, Graphik, Autographen“

Vom 29. Januar bis zum 2. Februar veranstaltet der Verband Deutscher Antiquare, Autographen- und Graphikhändler seine dritte Verkaufsmesse in Stuttgart. Die bekanntesten deutschen Häuser machen mit, auch einige ausländische Firmen. Jede der dreißig Firmen zeigt eine Auswahl aus ihrem Spezialgebiet. Das Angebot reicht bei den Büchern von Inkunabeln bis zu modernen Pressedrucken, bei der Graphik vom Einblattholzschnitt („Rosenkranzmadonna in der Glorie auf dem Halbmond“) bis zu Appel, Arp und Picasso („Jacqueline au mouchoir noir“, die sehr gesuchte Litho von 1957/58). Weiter eine Sammlung von Holzschnittbüchern des 15. und 16. Jahrhunderts, eine große Auswahl von Handzeichnungen des 16. bis 19. Jahrhunderts und einige entlegene und seltene Objekte, die auch auf den großen Auktionen kaum angeboten werden: ein Rilke-Konvolut, Doubletten des Schiller-Museums, oder Porträtsammlungen zum Stichwort „Mediziner“ oder „Admirale“ oder „Hohenzollern“. g. s.