Von Walther Weber

Wie unabhängig fühlen Sie sich“, fragten wir den Vorstandsvorsitzenden. „Das Unternehmen, das Sie führen, hat doch einen Großaktionär, der etwa 63 Prozent des stimmberechtigten Grundkapitals beherrscht. Will der denn nicht mit hineinreden?“

Auf diese Herausforderung antwortete der Chef der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG, Dr. Neumann, ruhig und souverän, ganz so wie vorher auf der knapp zweistündigen Pressekonferenz auf die zahlrechen Fragen der Journalisten.

„Wissen Sie, ich fühle mich ganz unabhängig. Mit Herrn Dr. Reusch, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates, der ja auch Vorstandsvorsitzender unseres Großaktionärs Gutehoffnungshütte ist, verstehe ich mich sehr gut und freundschaftlich. Ich berichte ihm über alles Wesentliche, wenn er uns besucht.“

Mehr sagte er dazu nicht, der schlanke Sechziger, der gelernte Diplomingenieur und Dr. ing. ehrenhalber. Aber was er unausgesprochen ließ, lag auf der Hand. Wer sollte wohl dreinreden wollen, wenn ein Unternehmen erfolgreich geführt wird, beinahe „spielend“ 16 Prozent Dividende erwirtschaftet, fast 1,25 Milliarden Mark Umsatz erzielt, und es sich sogar erlauben kann, Aufträge abzulehnen, wenn die Zahlungsbedingungen der ausländischen Kunden unangemessen erscheinen.

„Aber wie behalten Sie den Überblick über eine so große Unternehmensgruppe mit fünf regional auseinanderliegenden Werken bei einem elfköpfigen Kollegium?“

„Das machen wir so. Alle vier bis sechs Wochen tagt der Gesamtvorstand. Da sitzen wir am runden Tisch. Jeder hat sich vorbereitet und jeder berichtet über die Lage und die Probleme aus seiner Sicht, über die wir dann freimütig diskutieren.“