Die Gäste des Kairoer Hilton-Hotels mußten am Samstag ihre Zimmer räumen. Sie machten dreizehn Königen und Präsidenten Platz, die von Präsident Nasser zur ersten panarabischen Gipfelkonferenz eingeladen wurden. Nasser brachte das orientalische Kunststück zuwege, langjährige Feinde und Rivalen neben- und übereinander in dem Luxushotel am Nil einzuquartieren. Er lockte sie mit dem Schlagwort von der israelischen Gefahr.

Israel will an irgendeinem Tag des Frühjahrs Wasser vom Jordan durch eine Pipeline in die Wüste Negev laufen lassen. Wird die Wüste im Süden Israels durch Bewässerung fruchtbar, könnte die israelische Bevölkerung (zur Zeit 2,5 Millionen) bis 1980 verdoppelt werden. Dann müßten die Araber endgültig ihre Hoffnung auf „Befreiung Palästinas“ aufgeben.

Da der Jordan auch durch arabisches Gebiet fließt, wollte Israel zunächst gemeinsam mit den Arabern die Bewässerungsprojekte vorbereiten. Ein Schiedsspruch des Weltsicherheitsrates scheiterte 1954 am Veto der Sowjetunion. 1955 verwarf die Arabische Ligi einen Vorschlag des US-Sondergesandtei Eric Johnston. Nach dem Johnston-Plan sollte Israel vierzig Prozent des Jordanwassers erhalten, sechzig Prozent sollten auf den Libanon, Syrien und Jordanien verteilt werden.

Inzwischen handelten Israel und Jordanien auf eigene Faust. Die Jordanier entziehen seit 1961 dem Nebenfluß Jarmuk Wasser zur Kultivierung des Jordantals. Die Israelis bauten ein 104 Kilometer langes Rohrleitungs- und Kanalsystem zwischen dem See Genezareth und der Wüste Negev. Das Wasser wird aus dem See (210 m unter dem Meeresspiegel) herausgepumpt und durch riesige Rohre (Durchmesser 2,70 m) weitergeleitet. Das Projekt kostet bis zur Vollendung etwa 120 Millionen Dollar. Jährlich wollen die Israelis 320 Millionen Kubikmeter abziehen, weniger als ihnen nach dem Johnston-Plan zustehen.

Im Dezember fanden die Stabsschefs der Arabischen Liga heraus, daß die Erfolgsaussichten eines neuen Krieges gegen Israel recht mager sind. Nasser fürchtet mit Recht, daß die Hauptlast bei Ägypten liegen würde. 30 000 Mann seiner Armee stehen jedoch im Jemen wo sie den Republikanern im Kampf gegen die Stammeshäuptlinge helfen. Die Armee des Irak ist durch den Guerillakrieg gegen die Kurden gebunden, die syrische Armee durch zahlreiche Säuberungen geschwächt.

Nur die Präsidenten und Könige selber, sagte Nasser am 23. Dezember in einer Massenversammlung zu Port Said, könnten entscheiden, was zu tun sei. „Ich meinerseits werde offen sagen, daß ich Krieg führen werde, wenn ich es kann, oder daß ich keinen Krieg führen werde, wenn ich es nicht vermag.“

Wochen vor der Gipfelkonferenz hörte die ägyptische Presse auf, die Könige Hussein und Saud als „Mörder, Faschisten und Verbrecher“ zu titulieren. Ehe die Araber einheitlich gegen Israel auftreten können, muß Nasser erst einmal die schweren Differenzen im eigenen Lager ausgleichen. Diese Aufgabe beherrscht die Konferenz mehr als die Sorge um das Jordanwasser. Nasser führte König Hassan von Marokko und den algerischen Präsidenten Ben Bella wieder zusammen; er versöhnte sich mit Hussein und Saud und sprach mit seinen ärgsten Gegnern, den Baathisten aus Damaskus. König Saud saß Stuhl an Stuhl mit dem von ihm befeindeten Präsidenten Sallal aus dem Jemen. Ihre Gegensätze lassen sich überbrücken, indem die Araber gegen die Engländer aufgebracht werden, die noch immer Truppen im Stützpunkt Aden und in der Südarabischen Föderation unterhalten.