Die britischen Commonwealth-Sorgen, hervorgerufen durch die Krisen in Zypern und Malaysia, verstärkten sich am letzten Wochenende: Schlechte Nachrichten kamen von der ostafrikanischen Gewürzinsel Sansibar und aus der indischen Dreimillionenstadt Kalkutta. Ein blutiger Aufstand, einen Monat nach der Unabhängigkeit, fegte die Monarchie in Sansibar hinweg; ein Gemetzel im Mohammedanerviertel von Kalkutta erhöhte die Spannung zwischen den Commonwealth-Staaten Indien und Pakistan.

Sultan Said Jemschid von Sansibar, einst britischer Seekadett, mußte am Sonntag schleunigst seine Jacht aufsuchen, als schwerbewaffnete Rebellen seine Hauptstadt eroberten. Afrikanische Anhänger der verbotenen, weit links stehenden Umma-Partei stürzten die traditionelle Herrschaft der reichen arabischen Minderheit. Einer der Rebellenführer, „Feldmarschall“ John Okello, soll erst jüngst in Kuba gewesen sein. Der neue Außenminister von Sansibar, Umma-Chef Scheich Bahn, besuchte in den letzten Jahren die Sowjetunion und China, ist jedoch auch mit dem pro-westlichen Präsidenten Nyerere von Tanganjika befreundet, der ihm bis zum Aufstand Asyl gewährte. London will das neue Regime vorläufig nicht anerkennen.

Weniger sozial-rassische als religiöse Ursachen hatte das Blutvergießen in Kalkutta. Nach den Unruhen, die der Diebstahl eines Barthaares des Propheten in Kaschmir ausgelöst hatte, verbreitete sich unter den Hindus das Gerücht, im Nachbarstaat Ostpakistan hätten die Moslems unter den Hindus ein Blutbad angerichtet. Daraufhin machten sie sich über die Moslems in Kalkutta her. 160 Tote und über 600 Verletzte waren bis Mitte der Woche zu beklagen. Die indische Armee verhängte über neun Stadtbezirke eine tägliche zweiundzwanzigstündige Ausgangssperre. Tausende von Demonstranten wurden verhaftet, zehntausende verloren infolge Brandstiftung ihre Wohnung.

Auf der Commonwealthinsel Zypern ist indessen Ruhe eingekehrt, während Briten, Griechen und Türken mit den Vertretern der zypriotischen Volksgruppen in London konferieren. Die Meinungen klaffen noch weit auseinander: Die griechischen Zyprioten wollen einen unabhängigen Inselstaat ohne türkische Besatzung, die Türken eine Teilung der Inselrepublik.

Am vierten Krisenherd, in Malaysia, warnte der britische Verteidigungsminister Thorneycroft Indonesien vor einem Angriff auf Nordborneo, das von britischen Truppen gegen die Partisanen Sukarnos geschützt wird. Präsident Sukarno suchte indessen auf den Philippinen und in Kambodscha Schützenhilfe für seine antibritische Politik. US-Präsident Johnson sandte Justizminister Robert Kennedy los, um Sukarno, den er persönlich kennt, ins Gewissen zu reden.