In den vergangenen Monaten häufen sich in der Bundesrepublik die Offerten, in denen geschäftstüchtige Makler Grundstücke in Florida (USA) anbieten und dabei gleichzeitig rasche Wertsteigerungen voraussagen. Manche Angebote strahlen eine unverkennbare Unseriosität aus. Da es zu weit führen würde, jedes Angebot unter die Lupe zu nehmen – und dies wohl auch nicht die Aufgabe einer Zeitung sein kann, lassen Sie mich heute, meine verehrten Leser, zu diesem Thema einige allgemeine Anmerkungen machen.

Es hat sich in der Welt herumgesprochen, daß das Wirtschaftswunder manchem Bundesdeutschen die Möglichkeit gegeben hat, in schön gelegenen Gegenden der Welt Grundbesitz zu erwerben. Im Falle der Schweiz, Liechtensteins und anderen Steueroasen war dafür jedoch nicht nur die Landschaft maßgebend, sondern ebenso sehr das begreifliche Verlangen, den hohen deutschen Steuersätzen ein Schnippchen zu schlagen. Diese Tendenz dürfte sich noch verstärken, wenn man den Vorstellungen der SPD und des linken CDU-Flügels folgen und die Spitzensätze der Einkommen- und Körperschaftsteuer erhöhen würde. Es sei denn, man käme wieder zur Devisenbewirtschaftung zurück, also zu einer Kontrolle der Kapitalausfuhr. Aber das ist ein anderes Thema.

Wer in Florida ein Grundstück erwirbt, kann mit keinen steuerlichen Vorteilen rechnen. Ja, wer nicht selbst über Dollareinnahmen verfügt, wird es sich angesichts des unrealistischen Wechselkurses DM gegen Dollar schwerlich leisten können, seinen Lebensabend in den USA zu verbringen. Praktisch bleibt also nur die Grundstücksspekulation übrig. Und da bin ich der Meinung, daß man das Grundstück, mit dem man spekulieren will, entweder genau kennen muß und den Grundstücksmarkt der Gegend beurteilen kann, oder aber über vertrauenswürdige Berater verfügt. Mit Grundbesitz kann man in der Bundesrepublik ebenfalls hübsche Gewinne erzielen, aber auch bei uns muß man von diesem Geschäft etwas verstehen. Daß sich auf diesem Feld sogenannte „schwarze Schafe“ tummeln, ist unbestritten. Natürlich auch in den USA, denn wie sollte man sonst die Zurückhaltung verstehen, die sich eine Grundstücksfirma in Miami auferlegte, als sich unser ZEIT-Korrespondent bemühte, nähere Informationen über ihre in der Bundesrepublik publizierten Angebote zu erhalten. Auf wiederholte Anfragen schwieg sie, wo sie doch unter Umständen durch einen entsprechenden Hinweis in der ZEIT einen kostenlosen Werbeeffekt hätte erzielen können. Im allgemeinen lassen sich amerikanische Firmen so etwas nicht entgehen. Nun, wenn man schweigt und damit handfeste Auskünfte verweigert, wird man schon seinen Grund haben ...

Was kann einem passieren, wenn man auf ausreichende Informationen verzichtet? Ich erinnere mich eines Lesers, der vor einigen Jahren ebenfalls in den USA auf Grund eines bunten Prospektes ein „sonniges“ Grundstück erwarb und später zu seinem Entsetzen feststellen mußte, daß er Besitzer eines Stücks Wüste geworden war. Von Straßen, Elektrizitäts- und Wasserversorgung nicht die Spur, ja, es bestanden nicht einmal Pläne für eine Erschließung des Gebiets. Auch in Florida gibt es zahllose Grundstücke, die zum Bewohnen einfach ungeeignet, sind. Zumeist befinden sie sich weit von den öffentlichen Versorgungseinrichtungen und ausgebauten Straßen entfernt. Teilweise liegt das Land unter dem Wasserspiegel und ist ständigen Überschwemmungsgefahren ausgesetzt. Solche Grundstücke an ahnungslose Ausländer zu verkaufen, bringt viel Geld. An Einheimische wären solche Grundstücke niemals zu veräußern, aber mit den wirtschaftswunderlichen Deutschen hat es in letzter Zeit nicht selten geklappt.

Mit diesem Gespräch möchte ich mich für zwei Wochen von Ihnen verabschieden. Im Februar setzen wir an dieser Stelle unsere Unterhaltungen fort. Ihr Securius