Ghanas Staatspräsident Kwame Nkrumah steht heute vor einer Entscheidung, die er eigentlich noch ein paar Jahre hatte hinauszögern wollen, der er jetzt aber kaum mehr ausweichen kann: Wann soll er seine Regierung – die „von kapitalistischen bis zu antikapitalistischen Elementen“ alles einschließt – in ein revolutionäres Regime umwandeln, das ausschließlich von den Funktionären eines ghanesischen Sozialismus gelenkt wird?

In der Praxis hieße dies wohl die Schaffung einer autoritären marxistischen Regierung nach kubanischem Muster. Im Gegensatz zu Fidel Castro würde Nkrumah jedoch eine Außenpolitik der strikten Blockfreiheit verfolgen; Ghanas internationale Stellung wäre der Jugoslawiens ähnlicher als der des fidelistischen Kuba.

Aus seinen jüngsten Schritten und Gesprächen geht klar hervor, daß Nkrumah seit 20 Jahren bloß auf den richtigen Augenblick wartet, um Ghana zu einem revolutionären Staat und damit zum Kern einer revolutionären pan-afrikanischen Bewegung zu machen. Eine Äußerung, die der ghanesische Verteidigungsminister Kofi Baako, ein enger Vertrauter des Staatspräsidenten, letzte Woche tat, legt den Schluß nahe, daß Nkrumah seine Stellung in Afrika heute mit der Position Lenins im Jahre 1917 vergleicht.

Nkrumahs Plan, sich an die Spitze einer sozialistischen afrikanischen Revolutionsbewegung zu setzen, wurde in jenem esoterischen Circle ausgebrütet, den er selber einst als Student in London gegründet hatte. Der Staatspräsident hat diesen Plan nie fallenlassen, wenn er sich auch stets der Tatsache bewußt war, daß es sinnlos sei, ein revolutionäres Regime zu errichten, ehe die Umstände dafür reif seien. Und er hat immer wieder gesagt, daß Ghana für den Sozialismus noch nicht reif ist.

„Bevor es einen sozialistischen Staat geben kann, muß eine moderne industrielle Wirtschaft da sein“, argumentiert er. Außerdem; „Man kann den Sozialismus nicht ohne Sozialisten errichten.“ Es gab in Ghana nicht genug ausgebildete Sozialisten, um die alte Garde in Regierung und Verwaltung abzulösen.

Aus diesen Gründen hat Nkrumah zwei Aufgaben Vorrang zugebilligt. Einmal will er die Industrialisierung vorantreiben und eine Landreform einleiten; zum anderen sollen die „Kader“ herangezogen werden – ein Funktionärskorps des ghanesischen Sozialismus, das jenen Ideen verpflichtet ist, die der Staatspräsident „humanitären Marxismus“ nennt.

Diese Ausbildung ist der Nasso übertragen, einer Vereinigung, die als National Association of Socialist Students begann und mittlerweile zum ideologischen Kerntrupp in der Convention People’s Party (C. P. P.) geworden ist. Die sozialistische Elite der Nasso nennt sich „Militante Vorhut“ (Vanguard Militants) und hält sämtliche Schlüsselposten in Presse und Rundfunk besetzt; auch in der Verwaltung und der Parteiorganisation sind ihre Mitglieder zu finden. Sie beschreiben sich selber als „Kommunisten, doch keinesfalls Moskau-Kommunisten“.