„Für ewige Zeiten“ verpachtete Panama 1903 den Kanal, der Pazifik und Atlantik verbindet, an die USA, aber „nur Gott ist ewig“, sagte Präsident Roberto Chiari schon vor zwei Jahren. Jetzt müssen die USA unter dem Druck blutiger Unruhen am Panamakanal über eine Revision des Vertrages verhandeln.

Die Zusammenstöße begannen, wie schon öfters zuvor, mit einem Flaggenstreit. Präsident Kennedy hatte zugesagt, daß in der Kanalzone neben der amerikanischen stets die Flagge von Panama Wehen solle. Am letzten Donnerstag hißten amerikanische Oberschüler unerlaubt das Sternenbanner. Sofort drangen panamaische Schüler in die US-Zone ein und zogen ihre blau-weiß-rote Nationalflagge auf.

Was dann folgte, ließ sich nicht mehr genau klären. Angeblich wurde das panamaische Fahnentuch zerrissen. Im Schutz der Dunkelheit rotteten sich große Menschenmengen zusammen. Heckenschützen schossen, Molotow-Cocktails wurden geworfen, amerikanische Büros und Autos gingen in Flammen auf, der US-Gouverneur setzte Infanterie, Fallschirmjäger und Panzer ein.

Traurige Bilanz nach vier Tagen: 24 Tote, darunter drei US-Soldaten und über dreihundert Verwundete.

Die politischen Folgen: Panama brach seine Beziehungen zu den USA ab, kündigte den Kanalvertrag und appellierte an den Weltsicherheitsrat.

Präsident Johnson zeigte, wie er in Krisen zu handeln gedenkt: Er griff zum Telephon und sprach eine Viertelstunde lang mit Präsident Chiari. Dann schickte er als persönlichen Gesandten den Unterstaatssekretär für intei-amerikanische Fragen, Thomas Mann, an die Stätte des Unheils. Mit einer Friedenskommission der Organisation amerikanischer Staaten sorgte Mann für vorläufige Waffenruhe.

Die Kanalzone als Sitz des US-Oberkommandos Süd (Karibischer Raum, Südamerika) ist militärisch noch immer wichtig, wenngleich ihre veitstrategische Bedeutung abgenommen hat, seit die USA eine Zwei-Ozean-Flotte besitzen, und der Kanal durch Kernraketen zerstört werden kann. Wirtschaftlich wirft der Kanalverkehr hohe Gewinre ab; jährlich passieren 10 000 Schiffe den 80 Kilometer langen Wasserweg. In der Kanalzone – vier Kilometer zu beiden Seiten des Kanals – leben etwa 50 000 Menschen, davon 6000 Zivilamerikaner. „Panama ist einer der wenigen Orte auf der Welt, wo amerikanische Bürger eine kolonialistische Geisteshaltung bewahrt haben“, schrieb die „Chicago Sun-Times“. „Sie haben beharrlich ihre Augen vor der Korruption panamaischer Regierungen und vor der tiefen Armut verschlossen.“