Je mehr man raucht, desto früher muß man mit dem Tod rechnen. Dieses Resümee zogen zehn amerikanische Wissenschaftler. in einem Untersuchungsbericht für die US-Regierung. Schon vor zwei Jahren hatten britische Ärzte bekanntgegeben, die Sterblichkeitsquote bei Lungenkrebs könne ohne Rauchen um neunzig Prozent gesenkt werden.

Die deutsche Zigarettenindustrie (Zigarettenverkauf 1962: 82,4 Milliarden Zigaretten, reiner Warenumsatz etwa 2,3 Milliarden Mark) will zunächst einen deutschen Forschungsbericht (der schon angekündigt ist) abwarten. Sie wünscht selber eine Klärung der Zusammenhänge zwischen Rauchen und Krankheiten, damit sie dem Rauch etwa nachweisbar schädliche Substanzen entziehen kann.

Die US-Spezialisten veröffentlichten nach der Untersuchung von 1,12 Millionen Amerikanern folgende Ergebnisse:

  • Bei Männern und Frauen ist Zigarettenrauchen die Hauptursache für Lungenkrebs. Das Risiko steigt, je länger und je mehr geraucht wird. Bei Leuten, die weniger als eine halbe Zwanziger-Packung pro Tag rauchten, war die Todesgefahr fünfzehnmal, bei Leuten mit zwei Packungen pro Tag vierundsechzigmal höher als bei Nichtrauchern.
  • Zum Einwand deutscher Ärzte, daß Autoabgase und Fabrikdünste gefährlicher sind als der blaue Dunst, sagen die Amerikaner: Lungenkrebs tritt in der Stadt zwar dreimal häufiger auf als auf dem Lande, aber überall ist die Sterblichkeitsquote unter den Rauchern am höchsten.
  • Zigarettenrauchen verstärkt zumindest die Neigung zu Herz- und Kreislauferkrankungen. Herzattacken sind bei Rauchern dreimal häufiger als bei Nichtrauchern. Einige Spezialisten freilich meinen, Rauchen sei nur ein Reflex der Berufshetze – und diese die eigentliche Ursache für den Managertod.
  • Zusammenhänge bestehen zwischen Zigarettenrauchen und Kehlkopfkrebs, chronischer Bronchitis und anderen Erkrankungen der Atmungsorgane.
  • Pfeifen- und Zigarrenraucher sind weniger durch Lungenkrebs gefährdet als Zigarettenraucher, aber anfälliger für Lippen-, Mundhöhlen-, Speiseröhrenkrebs und Magengeschwüre als Nichtraucher.

Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkung der Bericht auf den Zigarettenumsatz hat (US-Jahresgeschäft 24 Milliarden Mark). In England ging der Zigarettenabsatz 1962 (nach dem britischen Report) zunächst um zwölf Prozent zurück. Heute wird jenseits des Kanals fünf Prozent mehr geraucht als vor dem Bericht.