Richter, Kühe und die Bundesbahn

Die Richter des höchsten deutschen Gerichts in Karlsruhe machten sich das Urteil nicht leicht: Sie wägten ab, blätterten in alten Verträgen, schlugen Betriebsordnungen nach, aber den wertvollen jungen Kühen des klagenden Bauern war nicht zu helfen. Die Klage wurde abgewiesen: die Bundesbahn ist nicht verpflichtet, ihre Gleise einzuzäunen, um wertvolles Jungvieh vor heranbrausenden Eil-, Schnell- und Güterzügen zu schützen. Im Gegenteil, der Bauer als der sogenannte Viehhalter ist für seine Tiere verantwortlich und muß achtgeben, daß diese nicht unbefugt die Gleise betreten. Hätten die hohen Richter zugunsten des Jungviehs entschieden: 60 000 Kilometer Zaun wären notwendig gewesen, um die Schienen der Bundesbahn abzuschirmen, die Bahndirektion hat’s errechnet und weist im übrigen darauf hin, daß ihre Sicherheits-, Warn- und Signaleinrichtungen so perfekt seien, daß es gelänge, Züge rechtzeitig zu, bremsen, wenn Vieh auf Gleisen herumkraxele. Also hätten die hohen Richter in Karlsruhe gar nicht bemüht zu werden brauchen?

Ein Orden für den Camembert

Eine Mahlzeit ohne Käse ist wie eine einäugige Schönheit – die französische Käsewerbung versteht ihr „Anliegen“ schmackhaft zu machen und wird dabei von der „Bruderschaft des Käseordens“ unterstützt, die kürzlich in Düsseldorf tagte. Ihre vorwiegend französischen Mitglieder mußten, bevor sie Brüder des Ordens wurden, zwanzig Käsesorten nach Herkunft und Art exakt bestimmen. Rund 300 Käsesorten, gibt es (weiß man’s?) in Frankreich, und auch der deutsche Tourist, der sommers in die Normandie reist, ist aufgerufen: „Alles zu tun für die Erhaltung und Entdeckung der unvergleichlichen Mannigfaltigkeit der französischen Käsesorten Hat er die verschiedenen Käse auf der Zunge und kann er sie gleichsam im Schlaf auseinanderhalten, steht auch ihm die Pforte der Käsebrüderschaft offen.

Huckepack

Man muß der Konkurrenz nur auf die richtige Weise sagen, daß sie einen zwar schmerze, daß man sie aber doch so recht eigentlich gern habe. Und das macht man dann in der rauhen Praxis der Geschäfte so: Man entzieht ihr sanft die Plattform und setzt sie auf die eigene. Konkret: Man bringt Autofahrer dazu, mit dem Auto nicht mehr selber so arg weit zu fahren, sondern sich samt Vehikel fahren zu lassen. Die Deutsche Bundesbahn hat inzwischen mit Freuden bemerkt, daß sich die Automobilisten das Angenehme gern etwas kosten lassen. 1962 hat sie 16 011 Fahrzeuge transportiert, 1963 waren es 20 088 oder: 25 Prozent mehr. Es kann sein, daß sich demnächst die Verkehrsfachleute der deutschen Großstädte für das Huckepack-System interessieren.

Fortschritt bei der Bundesbahn

Der Bestand der Dampflokomotiven bei der Deutschen Bundesbahn war bis Ende 1963 um mehr als die Hälfte vermindert worden. Die Zahl der Elektrolokomotiven ist um mehr als das Doppelte, die der Diesellokomotiven um das Achtfache gestiegen. Trotz der immer noch vorhandenen 6000 Dampflokomotiven sind die Tage der Schienenromantik gezählt.