Von Karl Hage

Ein Wort an die Kultusminister. So geht es nicht weiter! 1955 hat die Ständige Konferenz der Kultusminister der Deutschen Länder „Empfehlungen zur Förderung der Leibeserziehung in den Schulen“ verabschiedet. Darin heißt es mit einstimmigem Beschluß: „Die Leibeserziehung gehört zur Gesamterziehung der Jugend. Bildung und Erziehung sind insgesamt in Frage gestellt, wenn sie nicht oder nur unzureichend gepflegt wird.“ 1961 hat die gleiche Konferenz vermehrte Aktivität angekündigt, ebenfalls mit einstimmigem Beschluß. Die drei großen Parteien haben dann in Form von Parteitagsbeschlüssen ihren Willen bekundet, die Leibeserziehung sinnvoll zu fördern, um dem drohenden Vitalitätsverlust in unserem Volke, der als Folge von Zivilisation und Automation nicht mehr verborgen ist, an der entscheidenden Stelle zu begegnen. Nach zunächst ermutigendem Beginn waren die Fortschritte in der Praxis nicht mehr nennenswert, und jetzt werden sogar rückläufige Tendenzen erkennbar, die auch unter Berücksichtigung des allgemeinen Notstandes der Schulen einfach nicht mehr hingenommen werden können. Neue Initiativen werden notwendig. Aber mit Versprechungen ist nicht mehr gedient, nötig sind praktische Konsequenzen. Alles, was jetzt getan wird, und sei es der kleinste Schritt wirklich vorwärts, ist um ein Vielfaches wichtiger als Empfehlungen und Entwürfe, seien es auch die großzügigsten. Wir wollen gern alle mithelfen. Aber die Kultusminister müssen endlich handeln und – im eigentlichen Sinne des Wortes – regieren!

So Willi Daume in seinem Jahresaufruf 1964.

„Sport ist Kultur und verdient unsere volle Unterstützung“, sagte jüngst Ministerpräsident Dr. Franz Meyers beim Empfang der erfolgreichsten nordrhein-westfälischen Sportler 1963 im Düsseldorfer Schloß Benrath zur Bedeutung der Leibesübung in unserem Jahrhundert der Automation. Sein Wort wäre sicherlich mehr als ein liebenswürdiges Kompliment gewesen, wenn nicht wenige Tage vorher der Kulturausschuß des Landtages von Nordrhein-Westfalen aus dem Stellenbewertungsplan der Pädagogischen Hochschulen die eingesetzten Planstellen für Professoren der Leibeserziehung gestrichen hätte.

Das Fach Leibeserziehung wurde also in die untere Klasse der „technischen Fächer“ zurückversetzt. Wie läßt sich ein solches Vorgehen, das in Niedersachsen bereits einen Vorläufer besitzt, mit der Präambel der am 29. April 1955 in Koblenz von den Kultusministern der Länder unterzeichneten „Empfehlung zur Förderung der Leibeserziehung in den Schulen“ vereinbaren, die Sportbundpräsident Daume zitierte? Nein, der Notstand der schulischen Leibeserziehung verträgt keine Beschwichtigungen, rhetorischen Deklamationen oder uneingelösten Versprechungen mehr.

„Der Tag ist nah, an dem die Notlage der Leibeserziehung auch die beste wissenschaftliche Ausbildung unserer jungen Menschen in allerhöchste Gefahr bringt, weil Vitalität und Gesundheit darüber verlorengegangen sind“, warnt Prof. Dr. Koch aus Münster. Seit fast einem Jahrzehnt ist der Deutsche Sportbund nun schon mit den Kultusministern der Länder im Gespräch, um eine Verbesserung der schulischen Leibeserziehung zu erreichen. Mit welchem Erfolg? „Und wenn wir nur erreicht haben, daß die Lage nicht schlechter geworden ist, war es schon ein Erfolg“, ermutigt Guido von Mengden, der unermüdliche Mahner in einer Sache, die noch den Sturm ernten wird, wenn sich nicht bald etwas ändert.

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