Panama: „Ein Geschäftsunternehmen zum Betreiben eines Kanals in Form eines Staates“

Von Peter Grubbe

In Panama ist es in der vergangenen Woche zu Zusammenstößen zwischen Panamesen und US-Amerikanern gekommen. Dabei wurden ein paar Dutzend Menschen getötet und ein paar hundert verletzt. Mit Hilfe lateinamerikanischer Vermittlung ist die akute Krise inzwischen beigelegt worden. Man schießt nicht mehr, man spricht wieder miteinander. Aber die Unruhen, die nicht die ersten waren, werden auch nicht die letzten gewesen sein. Mißtrauen und Ressentiment schwelen weiter. Der Anlaß bleibt bestehen: der Streit um den Kanal.

Panama ist die südlichste der sechs mittelamerikanischen Republiken und zerfällt in zwei Teile: in das Land Panama und in die Kanalzone. Über dem Land Panama weht die weißrot-blau gewürfelte panamesische Fahne mit den beiden Sternen. Über der Kanalzone wehen neben der panamesischen Flagge die Stars and Stripes der USA.

Panama ist 70 000 Quadratkilometer groß – das entspricht etwa der Größe von Österreich. Es hat eine Million Einwohner, in der Mehrzahl Neger und Mulatten. Die Kanalzone ist 1400 Quadratkilometer groß – doppelt so groß wie das Land Hamburg – und hat rund 30 000 Einwohner, fast ausnahmslos US-Amerikaner. Der 16 Kilometer breite Streifen Land beiderseits des Kanals, über dem laut Vertrag „auf ewig“ die amerikanische Flagge weht, zerschneidet den panamesischen Staat in zwei Teile. Auf der Landkarte sieht das ähnlich aus wie der polnische Korridor, der einst Ostpreußen von Deutschland trennte.

In der Praxis freilich sind die beiden Korridore nicht zu vergleichen. Wer die Kanalzone durchquert, merkt es kaum. Es gibt keine Paßkontrolle, keinen Zoll, nicht einmal Polizeiposten, die die Grenze markieren. Nur die Fassaden der Häuser, die Sauberkeit der Straßen, die Gesichter der Menschen lassen den Besucher erkennen, wo er sich befindet.

Eine Kneipe neben der anderen