Von Marcel

Feiner Unfug auf Staatskosten“ lautet der Titel eines Bändchens, in dem der kleine, aber ehrgeizige Merlin-Verlag in Hamburg mehrere Aufsätze und Vorträge des Schriftstellers Heinz Risse vereint hat. Ein Rezensionsexemplar wurde uns mit dem Hinweis zugeschickt, der Verfasser hätte es „zunächst zur Bedingung gemacht, gar keine Freiexemplare des Essaybandes für Besprechungszwecke an Zeitungen zur Verfügung zu stellen“, womit sich jedoch der Verleger nicht abfinden wollte: „Ich habe einen Kompromiß erzielt und die Erlaubnis erhalten, drei Besprechungs-Freistücke an Redaktionen meiner Wahl zu verteilen.“

Etwa gleichzeitig erfuhren wir vom Albert Langen/Georg Müller Verlag in München, er könne uns ein Exemplar des dort im vergangenen Jahr erschienenen Romans „Ringelreihen“ von Heinz Risse nicht zusenden, denn der Verlag habe sich schriftlich verpflichten müssen, keiner einzigen bundesrepublikanischen Zeitung oder Zeitschrift Besprechungsexemplare zukommen zu lassen.

Bisher kannten wir derartige Methoden, die Kritik zu bekämpfen, eher aus dem Bereich des Theaterlebens: Manch ein Intendant hat sich schon lächerlich gemacht, indem er der Presse, von der er sich unfreundlich behandelt fühlte, die üblichen Eintrittskarten verweigerte. Daß ähnliche Sitten nunmehr auch im literarischen Leben einreißen werden, steht nicht zu befürchten.

Hingegen liegt es nahe, den Schriftsteller, der sich auf diese Weise seine Kritiker vom Leibe halten will, dem Spott der Leser auszusetzen. Ich möchte es nicht tun. Denn ich fürchte, daß diese grotesk anmutenden Maßnahmen eines Einzelgängers Symptome einer Haltung sind, der man in Deutschland immer noch häufig begegnet. Und deren Bedeutung wir nicht unterschätzen sollten.

Was eigentlich will Risse, ein gebildeter und erfahrener Mann, der 65 Jahre alt ist und zahlreiche Romane und Erzählungen geschrieben hat (er wurde vor allem durch den Roman „Wenn die Erde bebt“, 1950, bekannt)?

In einem Vortrag, der in dem Band „Feiner Unfug auf Staatskosten“ abgedruckt ist, erklärte Risse kurzerhand: „Zwar spielt sich auch meine literarische Tätigkeit im Rahmen einer gewissen Öffentlichkeit ab, doch bin ich nicht deshalb schon geneigt, dieser das Recht zuzugestehen, mir zu sagen – und zu verlangen, daß ich ihr zuhöre –, ob ich meine Sache gut gemacht habe, oder wie ich sie hätte machen müssen, öffentliche Kritik ist weder an Waschmaschinen noch an Herrenhüten üblich ...“