Der Kanzler trägt einen Texashut, und die Mauer steht noch immer, Hände werden geschüttelt, Raketen hin und wieder abgeschossen. Ansonsten gibt es Allotria auf allen Dörfern, siamesische Zwillinge und das Kalb mit zwei Köpfen.

Das nennt sich Wochenschau, behauptet, das Interessanteste und Aktuellste aus allen Ländern der Erde zu bringen, kommt dabei immer mehr ins Hintertreffen: Die Tagesschau des Fernsehens ist schneller. Aus dem Dilemma versucht man sich ins Überzeitliche, ins Feuilleton zu retten. „Das Ereignis der Woche“ etwa heißt dann eine Wochenschau-Schlagzeile, man bemüht sich um das „Wesentliche hinter dem bloß Aktuellen“.

„Unsere frechste Ausgabe“ nannte die Ufa, was ihren ambitionierten Redakteuren, Kameraleuten und Textern zum Jahreswechsel eingefallen war, und übertitelte das Produkt „Alle Weiber dieser Welt“.

Humorig-galant wurde schnell „Weiber“ durch „Damen“ ersetzt, doch es war bereits zu spät, ein gutgelaunter Männerchor machte sich schon über das Thema her: Weiber, Weiber, Weiber ...

Bei der Ufa sitzt einer, der kann schneiden, und der schnitt nun hurtig an weiblichen Gesichtern hintereinander, was das Archiv nur hergab: Tanten, Jungfrauen, Großmütter und Nonnen, die stämmige Wies’n-Kellnerin und das kleine Mädchen, der Sprecher kam kaum mit. „Wie keusch“, sagte er, als die Nonne vorüberflitzte.

Dann wurde es ernst: die Frau im Weltall. Gottlob, auch Valentina Tereschkowa hatte „ihre schwache Stunde“, sie heiratete nämlich einen Mann.

Der Sprecher nutzt die Gelegenheit zum flinken Seitenhieb: „Wir zeigen Ihnen den amerikanischen Astronauten Glenn, die Russen verbergen ihre Raketenaufnahmen schamvoll.“ Hätte wohl doch noch mal ins Archiv blinzeln sollen. Und zum Thema weiß er: Der Jubel allerorten galt nicht Valentina, der Astronautin, sondern Valentina, der charmanten Frau. Die Männer können aufatmen.