Astronomische Sensation

Am Rande des mit Teleskopen noch zugänglichen Alls haben Astronomen einen neuen Typ von Himmelskörper mit sensationellen Eigenschaften erspäht. Es handelt sich um die größten und hellsten bislang beobachteten Sterne. Einige von ihnen sind wahrscheinlich die am weitesten entfernten sichtbaren Himmelskörper.

In der texanischen Stadt Dallas versammelten sich im letzten Monat Astronomen, Astrophysiker und Kosmologen zu einem Symposion, auf dem über diese vorläufig „Quasi-Sterne“ getauften Objekte ausgiebig diskutiert wurde. „Quasi-Sterne“ wurden die neuentdeckten Himmelsgebilde genannt, weil sie, um als echte Sterne gelten zu können, eine zu kurze Lebensdauer haben: etwa eine Million Jahre, eine sehr geringe Zeitspanne in der nach Jahrmilliarden zählenden Geschichte des Universums.

Bislang wurden neun Quasi-Sterne entdeckt. Genauer: Neun schon länger bekannte Sterne wurden als Quasi-Sterne identifiziert. Einer ist deutlich auf photographischen Platten zu erkennen, die vor 80 Jahren am Observatorium des Harvard-College aufgenommen wurden. Er galt als ein Stern unseres Milchstraßensystems. Ein anderer ist, obwohl er Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt ist, mit einem Amateur-Teleskop auszumachen.

Das Licht, das ein Quasi-Stern ausstrahlt, so haben Astrophysiker errechnet, entspricht der Leuchtkraft von 10 Billionen Sonnen. Darüberhinaus senden Quasi-Sterne außerordentlich intensive Radiostrahlung aus. Ihre Masse ist hundert Millionen bis eine Milliarde mal größer als die Masse der Sonne. Ihr Durchmesser beträgt ein bis zehn Lichtjahre. Zum Vergleich: Die Milchstraße mit ihren 100 Milliarden sonnenartigen Sternen, von denen einer das Zentrum unseres Sonnensystems bildet, ist nur 10 000 bis 100 000 mal größer als ein einziger Quasi-Stern.

Ein Quasi-Stern, der die Bezeichnung 3 C 47 trägt, ist 4,5 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt. Von den klassischen sichtbaren Himmelsobjekten ist nur der schwach erkennbare Spiralnebel 3 C 295 weiter entfernt: Fünf Milliarden Lichtjahre. Die Astronomen rechnen damit, daß einige der beobachteten Quasi-Sterne noch weiter entfernt sind.

Den Astrophysikern sind bis jetzt keine physikalischen Prozesse bekannt, die die gewaltige Ausstrahlung von Licht- und Radioenergie erklären könnten. Nach einer Theorie der Astronomen Fred Hoyle (Universität Cambridge) und William Fowler (California Institute of Technology) werden die ungeheuren Energien dadurch frei, daß riesige Himmelskörper in sich zusammenfallen.