Es gibt nicht zwei Menschen auf der Erde, die nicht durch eine teuflisch ausgedachte Indiskretion zu Todfeinden gemacht werden könnten.

Hugo von Hofmannsthal

Beerdigte Jugendliteratur

Lange dachte man, es sei ein ängstliches Gerücht, jetzt ist es schlichte Tatsache geworden: die „Jugendliteratur“, das heißt, die einzige Zeitschrift, die das Geschehen auf dem deutschen Kinder- und Jugendbuchmarkt einigermaßen spiegelte, ist, wie man so sagt, eingegangen. In dem (erst kürzlich erschienenen) Heft 12, 1963, teilt der Juventa-Verlag seinen Lesern mit, daß das „Bundesministerium für Familie und Jugend“ die bisher gewährten Zuschüsse für das Jahr 1964 gestrichen habe und eine Fortführung der Zeitschrift daher nicht mehr möglich sei. Ob die „Jugendliteratur“ ein Organ war, das letzten literarkritischen Ansprüchen genügte, darüber läßt sich streiten. Daß sie, bei dem begrenzten Interessenten- und Abnehmerkreis, kein lukratives Unternehmen war, darüber läßt sich nicht streiten. Dennoch war sie notwendig, und man fragt sich, welche enormen Einsparungen Bonn eigentlich macht, wenn er. Zuschüsse streicht, von denen man dem Chefredakteur der „Jugendliteratur“ ein Monatsgehalt von 450 DM und den Autoren ein durchschnittliches Zeilenhonorar von 0,40 DM zahlen konnte.

Dante am Kiosk

Seit November vorigen Jahres veröffentlicht der Mailänder Verlag Fratelli Fabbri eine Fortsetzungsausgabe von Dantes „Göttlicher Komödie“, die, nach einem großen Propagandafeldzug, an den Zeitungskiosken verkauft wird. Ein aussichtsloses Unternehmen? Man sollte es denken – aber nach einer Meldung der Sunday Times finden pro Woche 250 000 Exemplare ihre Käufer, und das, obwohl alle sechs Fortsetzungen zusammen gebunden etwa 170 DM kosten sollen, während in den Buchhandlungen andere Ausgaben schon für wenige Mark zu haben sind. Selbst der Verlag ist völlig überrascht und spricht von einem „erstaunlichen literarischen Rätsel“. Seine Erforschung könnte der Literatur ganz neue Vertriebsformen ausfindig machen.

Drei USA-Preise für einen Film