Von Heinz Stuckmann

ZEIT: Herr Schallwig, man kennt jetzt Ihr Bild und die Anschuldigungen gegen Sie aus allen in- und ausländischen Zeitungen. Aber wir wissen über Ihre Person nur das, was wir bei Ihrer Zeugenvernehmung immer wieder hören: Jürgen Schallwig, Oberleutnant, 27 Jahre alt, verheiratet, nicht vorbestraft. Ich möchte gern etwas mehr wissen.

Schallwig: Geboren in Waldenburg in Schlesien, Vater Rechtsanwalt und Notar, 1945 nach Westen geflüchtet. In Schramberg besuchte ich das mathematisch-naturwissenschaftliche Gymnasium. 1956 habe ich mein Abitur gemacht. Am 1. 7. 1956 bin ich freiwillig zur Bundeswehr gegangen.

ZEIT: War das auf der Schule schon Ihr Berufsziel?

Schallwig: Obwohl es mir viel Antipathie von seiten der Mitschüler wie der Lehrer eingebracht hat – damals war ja diese antimilitaristische Welle –, bin ich nach dem Abitur nach Köln zur Offiziersbewerber-Zentrale gefahren. Wenn ich dort nicht angekommen wäre, hätte ich mich beim Bundesgrenzschutz beworben.

ZEIT: Weshalb wollten Sie denn so unbedingt Soldat werden?

Schallwig: Ich wollte für die Gemeinschaft in dieser schwierigen Zeit, in der wir uns befinden, etwas tun. Die junge Demokratie braucht ja Leute, die hinter ihr stehen in dieser Aufbauzeit, Leute, die bereit sind, sie auch zu schützen.