Staatsbürger in Uniform?

Die „Neue Gesellschaft“ (Heft 1) bringt einen unorthodoxen Diskussionsbeitrag von Reinmar Curtis. Der Verfasser erinnert daran, daß das Militär eine Institution darstelle, die nicht immer nur dem Schutze des Staates gedient habe. Es habe auch gewisse Schichten unterdrückt, es habe aber auch die Macht des Souveräns bekundet. Daher rühre es, daß das Militär heute außer der Arbeitskleidung noch Repräsentationsanzige trage. Früher sei militärische Macht das erste Ziel der Innenpolitik gewesen; auch wenn sie nit hohen Kosten verbunden gewesen sei. Die Organisation eines modernen Staatswesens unterliege aber dem Prinzip der Rentabilität. Kennedy habe nicht ohne Absicht seinen Verteidigungsminister aus einer großen Automobilfabrik geholt: die ungeheuren Summen für die Ausrüstung der Wehrmacht sollten sich rentieren. Demokratie und Bürokratie, so fährt Curtis fort, gehören zusammen; gute Generale seien heute Konzernmanagern sehr ähnlich. Als die Bundeswehr geschaffen wurde, habe man diese Tatsachen zu wenig erkannt. Die Schwierigkeiten, vor deren die Bundeswehr heute stehe, sehn Ergebnisse des falschen Ansatzes. Man müsse begreifen, daß die Armee nur eine Aufgabe habe, die des Schutzes. Repräsentationsaufgaben und Erziehungsaufgaben seien unnötige Belastungen. Das Prinzip von Befehl und Gehorsam müsse durch das demokratische Prinzip einer bürokratischen Organisation ersetzt werden. Auch die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht sei ein Akt der Demokratisierung. Eine Berufsarmee mit ausgebildeten Spezialisten könne ruhig kleiner sein, ohne in Schlagkraft einzubüßen.

Wer liest politische Bücher

Die „Kulturarbeit“ (Heft 12) veröffentlicht eine Untersuchung der Münchener Gesellschaft „Buch und Öffentlichkeit“, aus der sich einige bemerkenswerte Tatsachen ergeben, so die, daß in kleinen Orten mehr politische Bücher gekauft werden (12,2 Prozent der Befragten) als in großen (10,5 bis 10,9 Prozent). Der Altersgliederung nach überwiegen die mittleren Jahrgänge (25 bis 45 Jahre). Daß politische Bücher mehr von Männern als von Frauen gelesen werden, brauchte nicht erst bewiesen zu werden.

Gefahr für die Judenheit

„Time“ (Nr. 3) untersucht, ob dem Bestand der Judenheit in den Vereinigten Staaten durch die Mischehen Gefahr drohe. 17,9 Prozent der Juden gehen Mischehen ein, und in siebzig Prozent dieser Ehen werden die Kinder nicht als Juden aufgezogen. Aber es gibt auch Rabbis, die in den Mischehen ebenso viel Gewinn wie Verlust sehen. Die Zahl der Übertritte zum Judentum ist nicht unbeträchtlich (sie wird leider in dem Aufsatz nicht angegeben). Auch sind nach der Meinung von Max Vorspan, einem Professor der Universität für Judentum in Kalifornien, die Mischehen eine „unvermeidliche Begleiterscheinung der allgemein wachsenden Tendenz zur Toleranz“. Rabbi Joseph Navot sagt: „Wir brauchen Duldsamkeit, Verständnis und Freundschaft. Und Mischehen fördern sie. Wir wollen diese Chance nutzen, um die Getto-Mentalität zu vermeiden.“