In seiner Antwort auf die Neujahrsbotschaft Chruschtschows brachte US-Präsident Johnson die Organisation der Vereinten Nationen ins Spiel: Zum Schutze des Weltfriedens solte mehr als bisher der Weltsicherheitsrit benutzt werden. Streitende Parteien sollten sich der Schlichtung durch die UN unterwerfen.

Gegenwärtig sorgen UN-Truppen an drei latenten Krisenherden für Frieden und Ordnung: im Kongo, im Jemen und im ägyptisch-israelischen Grenzgebiet.

Das stärkste UN-Kommando (5350 Mann) steht im Kongo; die Kontingente kommen fast nur aus Afrika (Äthiopien, Tunesien, Senegal, Nigeria, Sudan, Liberia) sowie aus Schwecen, Indonesien und Island. 5100 Soldaten (Inder, Skandinavier, Kanadier, Brasilianer und Jugoslawen) bewachen den Gaza-Streifen und sichern an der Südspitze der Halbinsel Sinai den ungehinderten Schiffsverkehr nach Israel. Das kleinste UN-Kommando (etwa 150 Offiziere und Soldaten aus Kanada und Jugoslawien) beobachtet, ob im jemenitischen Bürgerkrieg Ägypter und Saudi-Araber in die Kämpfe eingreifen.

Die Sowjetunion weigerte sich bisher, für die Aktionen im Kongo und im Nahen Osten Beiträge zu zahlen. Der erste Einsatz internationaler Streitkräfte unter einem UN-Kommando 1950 in Korea – gegen kommunistische Truppen – war nur möglich, weil damals die Sowjetunion die Sitzungen des Weltsicherheitsrats boykottierte.

An neuen Aufträgen für UN-Soldaten würde es nicht mangeln: Auf der Mittelmeerinsel Zypern haben sich die Türken aus Angst vor den Griechen eingeigelt; im Konflikt zwischen Malaysia und Indonesien befürchten die USA eine Ausweitung zu einer Weltkrise, in die sich Peking und Moskau einmischen könnten; wegen der blutigen Ausschreitungen zwischen Moslems und Hindus in Pakistan und Indien und aus Protest gegen die fortschreitende Integration des umstrittenen Kaschmirs in den indischen Staatsverband hat Pakistan den Sicherheitsrat angerufen. Aber UN-Generalsekretär UThant kann keine neuen Befriedigungsaktionen bezahlen, falls nicht die Großmächte tiefer in ihre Taschen greifen.