Frankreich wird demnächst diplomatische Beziehungen zur Volksrepublik China aufnehmen. Präsident de Gaulle verändert – ohne Absprache mit den Verbündeten – die weltpolitischen Fronten. Er durchkreuz; die Asienpolitik der Amerikaner ebenso wie er den Sowjets die Koexistenz mit Peking erschwert.

Eine Delegation französischer Parlamentarier ist als Vorbote nach Peking gereist. Die Absicht des nationalchinesischen Regimes auf Formosa, jetzt mit Paris zu brechen, stößt auf amerikanischen Widerstand.

Peking, wegen meines Eingreifens in den koreanischen Krieg als „Aggressor“ gebrandmarkt, hat jetzt bessere Aussichten, in die UN aufgenommen zu werden. Bei der Herbstabstimmung in der UN-Vollversammlung stimmten 41 für, 57 gegen die Aufnahme, bei zwölf Enthaltungen. Dem Pariser Beispiel dürften elf ehemals französische Staaten in Afrika folgen, die Peking noch nicht anerkannt haben. In Afrika ist Peking zur Zeit mit zwölf diplomatischen Missionen vertreten; fünfzehn afrikanische Staaten pflegen noch Beziehungen mit Formosa, Senegal und Mali mit beiden Chinas. Von den NATO-Staaten haben außer Frankreich nur Großbritannien, Dänemark, Norwegen und die Niederlande lockere diplomatische Kontakte mit Peking, allerdings schon seit der Zeit vor dem Koreakrieg.

Mit Hilfe Pekings hofft de Gaulle nun, das geteilte Vietnam neutralisieren und wiedervereinigen zu können. Dieser Plan erbost die USA besonders, da sie zusammen mit Südvietnam seit Jahren gegen die von Peking unterstützten Vietcong einen noch unentschiedenen Krieg führen.

Auch Japans Stellung zu China ist berührt. Ministerpräsident Ikeda will jetzt nicht untätig bleiben. Die guten Beziehungen zwischen Tokio und Formosa kühlten Anfang des Jahres ab, nachdem die Japaner einen chinesischen Überläufer, angeblich auf dessen Wunsch, an Peking und nicht an Nationalchina ausgeliefert hatten.

Trotz des deutsch-französischen Vertrags wurde Bonn von Frankreich nicht konsultiert. Die Chinesen versuchen, nun auch am Rhein Fuß zu fassen. Als Vorreiter will die Nachrichtenagentur „Hsinhua“ von Ostberlin nach Bonn umziehen.