Meine Herren Schriftsteller,

ich bitte eine Lanze brechen zu dürfen; und wenn das mit der Lanze auch eine abgedroschene Redensart ist, so ist sie immer noch besser als das Wörtchen, wogegen ich sie breche, obgleich dieses in dem Augenblick, da ich sie breche, groß in Mode ist – nun, da es an der Zeit ist, es durch ein besseres, nämlich das „da“ durch ein „wo“ zu ersetzen.

Ich weiß, ich habe eine Welt gegen mich, eine Welt deutscher Schriftsteller. Die schlichten Leute hingegen, die nicht Schriftstellern, sondern mündlich sprechen, die habe ich für mich, und das macht mir Mut zu meiner Lanze, da es gut ist, die Umgangssprache, wenn sie nicht grade Gassenjargon ist, für sich, und mißlich, sie gegen sich zu haben. Das „da“, das ich eben gebrauchte, steht, ein „weil“ ersetzend, an richtigem Platze. Aber in meinem obigen Satz, meinem ersten, steht es gleich zweimal an falscher oder jedenfalls schlechter Stelle.

In dem Augenblick, da ich meine Lanze breche, und nun, da es an der Zeit ist, sie zu brechen, ist das „da“ zu tadeln und durch ein „wo“ zu ersetzen. Es tut so, als ob es den zeitlichen Bezug gepachtet hätte, und ist doch viel eher ein Wörtchen des örtlichen Bezuges. Warum nur immer „jetzt, da ...“und „zur Zeit, da ...“und „der Augenblick, da...“? Es wird heute von allen schreibenden Leuten dort hingestellt, wohin es nicht gehört, weil dort „wo“ hingehört. Es scheint eine regelrechte Angstpsychose zu herrschen und alle, die schreiben, ergriffen zu haben: die Angst, „wo“ in einem Zeitbezug zu gebrauchen, wähnend, daß dies unerlaubt sei. Es ist aber erlaubt, ja geboten, während das „da“ im Zeitbezug eher pathetisch und der Geschwollenheit verdächtig klingt.

Schön – „Einst, da solches geschah ...“ oder „Der große Augenblick nahte, da der Ruf erging ...“ – das mag angehen, da ist gehobener Ausdruck im Spiel. Sonst aber, und auf normalem Ausdrucksniveau – nein. Keiner würde in der Umgangssprache sagen: „Im Augenblick, da er kam, erkannte ich ihn.“ Keiner würde sagen: „Jetzt, da ich fertig bin, gehe ich weg“ – außer, er meint „weil“. Man würde vielmehr sagen: „Der Augenblick, wo ich gehen muß, ist da“ oder „Jetzt, wo...“ und „Nun, wo...“ und „Die Zeit, wo ...“

Dieses Wörtchen „wo“ ist ein sehr gutes Wörtchen, und es ist nichts dagegen einzuwenden. Man kann es in örtlichem wie in zeitlichem Bezüge gebrauchen, wohlgemerkt in beidem, während das „da“, das sich immerfort an seine Stelle drängt, viel eher etwas von einem Zeigefinger an sich hat, der auf etwas Örtliches hinweist.

Man komme mir nicht mit dem „als“, das zwar rein zeitlichen Bezug, aber Anwendungsmöglichkeit nur auf etwas Vergangenes hat.