Die Reise Bundeskanzler Erhards nach London war ein Erfolg. Sie hat jene unglückselige Phase der deutsch-englischen Beziehungen beendet, die vom gegenseitigen Mißtrauen geprägt wurde. Adenauer und Macmillan hatte jahrelang eine gegenseitige Antipathie verbunden. Freilich hatte das deutsch-englische Mißtrauen nicht nur persönliche Gründe. Bonn hatte die Entspannungspolitik Londons immer mit Unbehagen verfolgt, weil es befürchtete, die Rechtsansprüche der Bundesrepublik könnten dabei Schaden nehmen. Die Engländer dagegen hatten die Bundesregierung immer im Verdacht, sie wolle die Entspannung im Grunde gar nicht. Aber auch die Europa-Politik der beiden Länder war vom Argwohn vergiftet; Adenauers Hinwendung zu de Gaulle hatte schließlich die Zweifler in London noch bestärkt.

Erhard, den die Engländer als ehrlichen Makler aus Brüssel in Erinnerung haben und dem sie lobend einen „Sinn für das Pragmatische in der Politik“ attestieren, fand in England eine günstige Stimmung. Er wurde nicht nur offiziell als Regierungschef eines befreundeten Landes akzeptiert, sein Besuch bedeute auch, so schrieb Observer, das Ende der Germanophobie, jener tiefeingewurzelten Furcht vor den Deutschen, die sich in Enggland länger als in irgendeinem anderen europäischen Land erhalten habe. R. Z.