Die amerikanischen Cracks laufen dem Puck und dem Dollar nach

Von Ulrich Kaiser

Zum erstenmal in der Geschichte der Olympischen Winterspiele schickt Kanada im Eishockey eine Nationalmannschaft nach Innsbruck. Wie die letzten Weltmeisterschaften in Stockholm zeigten, schafft es heute ein Clubteam einfach nicht mehr. Aber die bis jetzt erzielten Ergebnisse dieser aus den besten Amateurspielern zusammengestellten Mannschaft deuten darauf hin – das gleiche gilt für das US-Team – daß die Zeit der kanadisch-amerikanischen Vorherrschaft im Eishockey, wo nun die Russen, Tschechen und Schweden dominieren, vorbei zu sein scheint. Warum das so ist, sagt unser Bericht. In Übersee spielen die wirklich Besten nämlich in einer Profiliga, die es hier in Europa bisher nicht gibt.

Ein Eishockeyprofessional ist in der Regel zwei Meter groß, wiegt ungefähr 190 Pfund, scheint nicht besonders intelligent, neigt zu Schlägereien und trägt seine Zähne nur zu offiziellen Empfängen. Diese Auffassung über die nordamerikanischen Berufsspieler trifft ungefähr in dem gleichen Maße zu wie die über die Germanen, von denen man sagt, daß sie in „der Regel“ rote Bärte trugen und zu beiden Ufern des Rheins saßen. Dave Keon mißt vom Scheitel bis zur Sohle 175 Zentimeter, wiegt 150 Pfund, er ist 23 Jahre alt, seine Beißer sind durchaus nicht den Künsten eines Dentisten zu verdanken und er ist alles andere als dumm. Dave Keon ist der zur Zeit beste Mittelstürmer der Welt. So behauptet sein Arbeitgeber, die Maple Leaf Gardens Limited in Toronto, Ontario, und man ist sich in dieser Angelegenheit durchaus einig mit den fünf anderen Eishockeyunternehmen, die die National Hockey League in Nordamerika bilden. Kürzlich lehnte der Klub in Toronto eine runde Dollar-Million für Dave Keon ab. „Was sollen wir mit dem Geld? Es kann uns nicht solche Tore wie Dave schießen!“ war die einleuchtende Erklärung. Zum Vergleich: Das höchste Angebot, das der brasilianische Fußball-Gott Pele bisher erhielt, lag in der Nähe der gleichen Summe!

Ahornblätter gegen Rauchfresser

Dave Keon, den sie den schnellsten Eishockeyspieler Amerikas nennen, errang mit seiner Mannschaft, den „Ahornblättern“ in Toronto, die Weltmeisterschaft 1961 und 1962. Ein Titel allerdings, dessen Wert problematisch ist. Im März vergangenen Jahres holte sich die UdSSR die Weltmeisterschaft aus Stockholm. Kanada, vertreten durch die „Trail Smoke Eaters“, belegte den vierten Platz. Jenen „Rauchfressern“ prophezeit man von allen Klubs der Profiliga Niederlagen, die zwischen 10 : 0 und 20 : 0 liegen würden. Es ist allerdings eine Annahme, die, weil imaginär, nie bewiesen werden kann. Denn ein Treffen der Maple Leafs gegen die Trail Smoke Eaters würde in Kanada nie Zustandekommen.