Ulrich Lohmar, Innerparteiliche Demokratie. Eine Untersuchung der Verfassungswirklichkeit politischer Parteien in der Bundesrepublik Deutschland. (In der Reihe: Soziologische Gegenwartsfragen, N. F., herausgegeben von E. Boettcher, L. Neundörfer, H. Schelsky, Heft 18). Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1963, 146 S., 17,– DM.

Der Verfasser ist 36 Jahre alt, Schüler des Soziologen Helmut Schelsky, seit vierzehn Jahren Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, Chefredakteur der sozialistischen Zeitschrift „Die neue Gesellschaft“ von Beginn ihres Erscheinens an (1954) und seit 1957 Bundestagsabgeordneter. Er hat mit diesem Buch seine Doktorarbeit, mit der er Anfang 1963 promoviert hat, veröffentlicht. Man braucht kein Mißtrauen gegen Abgeordneten-Promotionen zu hegen, wie gerade diese Arbeit eindrucksvoll zeigt. Die deutschen Hochschulen gehören noch zu den wenigen öffentlichen Einrichtungen, die politische Gefälligkeiten, zumindest bei Prüfungen, scheuen.

Über die Verfassungswirklichkeit der Bundesrepublik wissen wir einiges, über die der Parteien nur wenig. Um deren Klärung geht es Lohmar unter dem Gesichtspunkt der Demokratisierung der innerparteilichen Willensbildung. Für deren Verwirklichung sieht er nur ganz beschränkte Möglichkeiten. Vier Thesen stellt er auf:

1. Die Parteien, „Institutionen des Verfassungslebens ... werden überfremdet durch Interessengruppen ... und sie werden sich entfremdet durch die Wirkungen, die die Ergebnisse der Meinungsforschung und das Fernsehen auf das öffentliche Erscheinungsbild der Parteien gewinnen konnten.“

2. „... Die Macht der Parteibürokratie wird überschätzt. Sie stellt keineswegs ein oligarchisches Zentrum in den Parteien dar.“

3. „Das demokratische Prinzip (in den Parteien) sollte dabei so stark, um eine dauerhafte oligarchische Verfestigung der Führung zu verhindern, und andererseits so eingegrenzt sein, daß eine wirksame politische Führung gefördert wird.“

4. „Ein Parteiengesetz wird wenig mehr bewirken können, als eine autoritäre Entwicklung politischer Parteien zu verhindern und den Status der Mitglieder rechtlich zu unterbauen. Den soziologischen Strukturproblemen der innerparteilichen Ordnung und den Sachnotwendigkeiten der Demokratisierung und der Führung kann ein Parteiengesetz nicht beikommen.“