Von Ingrid Neumann

Als eine Art Investmentgesellschaft hatte der Vorstand der Gutehoffnungshütte Aktienverein, Nürnberg/Oberhausen, kurz GHH genannt, vor einigen Jahren diesen Konzern, der zu den zehn größten Unternehmen der Bundesrepublik zählt, bezeichnet. Damit wird betont, daß die Interessen der GHH weit gestreut sind. Die zahlreichen Töchter und Beteiligungsgesellschaften der lediglich als Holding fungierenden Mutter bieten ein buntes Bild der deutschen Wirtschaft. Weitverzweigte Interessen in der Investitionsgüterindustrie tragen neben ihrem eigenen klangvollen Namen – wie z. B. MAN – das weltweit bekannte Firmenzeichen GHH; aber auch in der NE-Metallindustrie, im Großanlagengeschäft und nicht zuletzt im internationalen Handel sind Konzernwerke der Gutehoffnungshütte tätig.

Bei dem Vergleich mit einer Investmentgesellschaft wird zugleich auch die Vorstellung eines wohlassortierten Portefeuilles heraufbeschworen und die darauf beruhenden Möglichkeiten des Risikosausgleichs. Das trifft in der Tat für den GHH-Konzern zu, und die Aktionäre haben die breite Palette der Gesellschaft mit ihrer stabilisierenden Wirkung auf die Ertragslage der Holding durchaus auch schon kennen und schätzen gelernt.

Der Konzernverbund habe sich im vergangenen Geschäftsjahr erneut günstig ausgewirkt, betont die Verwaltung in ihrem Bericht über das Jahr 1962/63. Das breit gefächerte Fertigungsprogramm des GHH-Bereiches eröffnete – so heißt es – die Möglichkeit, an der Aufwärtsentwicklung, die in einigen Wirtschaftszweigen noch zu verzeichnen war, teilzuhaben und damit rückläufige Entwicklungen in anderen Bereichen weitgehend auszugleichen. Auf diese „mannigfachen Ausgleichsmöglichkeiten“ im Konzern wies in der diesjährigen Pressekonferenz mit besonderem Nachdruck das Vorstandsmitglied Dr. Dietrich Wilhelm von Menges hin, wobei gleichzeitig die Konzeption einer Geschäftspolitik sichtbar wurde, die offenbar stärker auf eine Intensivierung der Verbundmöglichkeiten ausgerichtet ist, als es in der bewußt dezentral organisierten Gruppe bisher war. Vorstandsmitglied von Menges sprach von einem permanenten Strukturwandel in der Wirtschaft, von dem nahezu alle Konzerngesellschaften erfaßt seien. Mit seiner Bemerkung, daß die großen Tochtergesellschaften auf Grund ihrer Ertragskraft in der Lage wären, den schwächeren Gliedern der GHH-Kette „Feuerschutz zu gewähren“ für notwendige Umstellungsprozesse, gab er einen aufschlußreichen Einblick in die Konzernpolitik, die – da sie auf eine forcierte Stärkung der von der Konjunktur benachteiligten Unternehmen der GHH-Gruppe ausgerichtet ist, auch das beifällige Interesse der Aktionäre finden müßte.

Im vergangenen Geschäftsjahr hat sich der Gesamtumsatz der Gruppe nochmals leicht, um 4 Prozent auf 3,7 Milliarden Mark erhöht. (Die unterschiedliche Entwicklung in den einzelnen Konzernbereichen geht aus unserer Aufstellung hervor). Bei weiter rückläufigen Auftragseingängen – sie erreichten 91 Prozent des Umsatzes – verringerte sich der am Ende des Geschäftsjahres vorliegende Auftragsbestand um fast 10 Prozent auf 3,1 Milliarden Mark. Diese rückläufige Tendenz hat auch in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres angehalten: Umsätze und Auftragseingänge haben sich weiter verringert. Das bei Jahresende im GHH-Bereich vorhandene Auftragspolster von 2,96 (Vergleichszahl im Vorjahr 3,17) Milliarden Mark sichert den Konzernwerken aber immer noch eine Beschäftigung von einem Dreivierteljahr; bei allgemein verkürzten Lieferfristen ist das noch eine durchaus zufriedenstellende Reserve.

In der Pressekonferenz betonte die Verwaltung, im GHH-Konzern werde bewußt darauf verzichtet, Aufträge um jeden Preis hereinzunehmen. Das gilt offenbar in erster Linie für den Schiffbau, der erwartungsgemäß – neben den Werken der NE-Metallindustrie – das. schwächste Glied in der Konzernkette darstellt. Die Deutsche Werft AG könne – so erklärte Konzernchef Dr. Hermann Reusch – soviel Aufträge bekommen, wie sie nur wolle, aber meistens nur unter Selbstkosten! Immerhin aber ist, so war in Oberhausen zu hören, der planmäßig und vor allem rechtzeitig ausgebaute Reparaturbetrieb der Werft gut ausgelastet.

Die für das Berichtsjahr vorgeschlagene Dividende Von unverändert 14 Prozent auf das Grundkapital von 125 Millionen Mark dürfte weitgehend auch einer unveränderten Ertragslage im Konzern entsprechen. Die für die Ertragsrechnung der Holding entscheidenden Organschaftsabrechnungen haben sich auf 12,9 (11,4) und die Beteiligungserträge auf 12,5 (12,3) Millionen Mark erhöht. Aus dem Organkreis hat nur die Gutehoffnungshütte Sterkrade ihre Zuweisungen an die Konzernkasse – von 5,6 auf 7,6 Millionen – erhöht; die Sterkrade AG hat damit allerdings auch ihren gesamten Gewinn an die Muttergesellschaft abgeführt, während die Ferrostaal-Tochter, die einen Jahresüberschuß von 7,1 Millionen erzielt hat, bei ihrer Vorjahrssumme von 4,7 Millionen geblieben ist.