Hätte man die Frage vergessen, so wäre man an der Schwelle des Hauses daran erinnert worden, denn Zigaretten und Zigarren werden gleich neben dem Amtssitz des „Bundesministers für Gesundheitswesen“ verkauft.

Nie, seit sie im Amte ist, war Gesundheitsministerin Dr. Elisabeth Schwarzhaupt so „gefragt“ wie in diesen Tagen, da die Zigarette – in des Wortes doppelter Bedeutung – in aller Munde ist. Viele Blumen, aber weder Zigarren noch Zigaretten stehen auf dem Tisch dieses Ministerbüros, dessen freundliche Eleganz von oben erleuchtet wird: durch eine Art von Decken-Bullauge, das der Bewohnerin jederzeit, einen Blick zum rheinischen Himmel erlaubt.

Wenn sich zwei Nichtraucher begegnen, muß eine Frage erlaubt sein, die – normalerweise vom männlichen Gast an eine gastgebende Dame gerichtet – ungehörig wäre:

„Sie rauchen nicht?“

„Ich habe es als junges Mädchen auf dem Dachboden einmal versucht. Weil es mir nicht bekommen ist, blieb meine erste Zigarette zugleich meine letzte.“

Mit der Erfahrung ausgestattet, daß junge Menschen durchweg aus Nachahmungstrieb, aus Geltungsbedürfnis oder aus Neugier zu rauchen anfangen, um es dann entweder bald wieder oder nie mehr zu lassen, richtet sich, nicht erst seit heute, die warnende, mahnende, ratende Bemühung der Gesundheitsministerin an die Jugend. In einem Brief, der zu einem Wettbewerb anregen wollte, schrieb Elisabeth Schwarzhaupt den „lieben Jungen, lieben Mädchen“ schon vor mehr als einem Jahr: „Ihr seid noch jung, und solange man jung ist, denkt man über Krankheit und Alter nicht viel nach. Unter Euch sind aber nicht wenige, die ihre Gesundheit schon in jungen Jahren gefährden. Ich denke dabei an das Zigarettenrauchen. Viele Erwachsene rauchen, und allzu viele junge Menschen glauben, sie müßten es ihnen darin gleich tun.“

Der mit diesem Brief eingeleitete Schulwettbewerb fand in den Volksschulen eine lebhafte, in den höheren Schulen eine zurückhaltende Resonanz.