„Die vier Tage von Neapel“ (Italien; Verleih: MGM): Erst in der dritten Instanz, dem Rechtsausschuß, hat die Freiwillige Selbstkontrolle Nanni Loys Film freigegeben. Ungekürzt, aber mit einem einschränkenden Vorsprach versehen, kommt er jetzt in die bundesdeutschen Kinos. Zusammen mit de Sicas „Eingeschlossenen“ war es gerade dieser Film, der zu Beginn des letzten Jahres die Wächter deutscher Ehre auf den Plan rief und hierzulande das Gerede von den bösen Italienern, die permanent und hinterhältig unser Nationalgefühl verletzen, auslöste. Eine unstatthafte und doch bei uns sehr beliebte Reaktion auf Kritik, ein nur schwer zu deutender Anflug von Verfolgungswahn und schlechtem Gewissen in diesem Fall. Denn Loys Film ist schlecht. Er schildert die Unterdrückung und endliche Auflehnung der neapolitanischen Bevölkerung gegen die deutschen Besatzer, als die Amerikaner nur noch eine halbe Eisenbahnstunde von Neapel entfernt waren. An keiner Stelle erreicht Loy die großen, klugen und wirklich bösen Vorbilder des dahingegangenen Neorealismus. Sein Film ist eine unglückliche Mischung aus dokumentarischem Material und Spielszenen, das eine steht beziehungslos neben dem anderen. Die eingestreuten Episoden sind von privater Melodramatik, die dokumentarische Rekonstruktion ist hilflos und unglaubwürdig. Eine schludrige Massenregie verdirbt dazu die wenigen Ansätze, die der Film immer dann hat, wenn er Francesco Rosis Stil kopiert und das neapolitanische Volk sich selbst spielt. Dessen Freiheitskampf ist heroisch, nicht historisch gesehen, nur an einer Stelle des Films fällt ein Hinweis auf Mussolini: Ein Italiener versucht sich der Verhaftung mit der Beteuerung zu entziehen, er sei schon immer Faschist gewesen. Gerade durch den historischen Hintergrund aber – den Faschismus in Italien – hätte die Beschreibung des Aufstandes Dimension und Würde bekommen können. Doch Reflexion und Bewußtsein ist Loys Sache nicht, und so ist es nur folgerichtig, daß er immer wieder der Pathetik seines Stoffes zum Opfer fällt und damit bedenklich in die Nähe jener Kino-Spektakel gerät, in denen beliebige Akteure in beliebigen Kostümen für irgendeine Freiheit fechten. uwe