Als Zeichner, Gebrauchsgraphiker und Buchillustrator wurde Gerhard Oberländer (geboren 1907 in Berlin) in den letzten Jahren bekannt, und das weite Feld, auf dem er sich jetzt bewährt hat, reicht von Illustrationen zu schnurrigen Heimeran-Kochbüchern (Die Bananen-Schlemmerei!“) und zu oft selbstgeschriebenen Kindergeschichten, von Pinguinen bis zu kräftigen graphischen Veranschaulichungen des Simplicissimus (Büchergilde Gutenberg). Oberländers eigenstes Gebiet aber ist nicht die kesse Cocktail-Illustration und nicht die dralle Geschichte: König ist er im Reich des Märchens. Die 1958 im Ellermann Verlag begonnene dreibändige Ausgabe der Grimmschen Märchen, die er illustriert hat, ist zwar ein wenig zu kostspielig, um sie getrost ins Spielzimmer zu legen, aber doch das Schönste, was es in den letzten Jahren auf dem Gebiet der Märchenillustration gegeben hat. Das Phantastische der Märchenatmosphäre wird eingefangen mit einem zarten, skurrilen Strich, der geheimnisvolle Muscheln und Fische konturiert, sich in gefährlichen Gewächsranken schlängelt, zu spinnwebartigen Gebilden verflicht oder zu drohenden Baumriesen zusammenzieht. Wir entnehmen unsere Abbildung einem Druck des Klingspor-Museums in Offenbach.