Von Mieheie Manceaux

Es gibt Regisseure, die wollen eine Geschichte erzählen und suchen sich nachträglich den am besten dazu passenden Rahmen. Bei mir ist es gerade umgekehrt. Es ist immer eine Landschaft, ein Ort oder irgendein Fleck, wo ich gern drehen möchte, und daraus entsteht das Thema meiner Filme.

Das sagt Michelangelo Antonioni, der seit zwei Monaten in Ravenna seinen neunten Film dreht, seinen ersten Farbfilm.

Ist die Rede von Ravenna, so denkt man sofort an seine Mosaiken. Für Antonioni ist das der Standpunkt des Touristen. Wenn auch die Alabasterfenster der Galla Placida das mildeste Licht der Welt verbreiten und man in ihren blauen Mosaiken auf den Grund des Meeres zu tauchen meint, ihn kümmert es nicht: Das alles gehört der Vergangenheit an.

Antonioni, der das moderne Leben beschreiben will, hat Ravenna vielmehr wegen seiner rauchenden Fabrikschlote gewählt, wegen seiner Bohrtürme und wegen seiner Stahlpfeiler. In der Umgebung Ravennas liegt eines der wichtigsten Industriegebiete Italiens. Nach dem Krieg noch erstreckten sich hier Pinienwälder bis zum Meer, und die Stadt zählte dreißigtausend Einwohner. Heute haben Raffinerien, Bohrtürme und Silos die alten Bäume verdrängt. Man stieß auf Petroleum und schuf künstliche Inseln. Heute hat die Stadt hundertvierzigtausend Einwohner.

Diese kleine wirtschaftsgeographische Belehrung – eben sie ist das Thema der Roten Wüste“.

„Eine neue Klasse ist in diesem faszinierenden Milieu entstanden, und meine Helden gehören der Arbeiterbourgeoisie an. In der ,Sonnenfinsternis‘ waren die Personen frei. Sie waren gesellschaftlich nicht genau definiert und hatten keinerlei Verpflichtungen. Diesmal zeige ich im Gegensatz dazu völlig katalogisierte Menschen, wie man ihnen zu Millionen begegnen kann: einen Elektroingenieur und seine Frau. Sie haben ein Kind und einen Freund, und auch der ist Ingenieur.“