Noch ist der Tag fern, an dem sich das Prophetenwort erfüllen wird und die Völker "ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen". Im thermonuklearen Zeitalter ist die Abrüstung noch schwerer zu bewerkstelligen als vordem; freilich ist sie auch viel dringlicher geworden. Die Schwierigkeiten erklären das Scheitern so vieler Abrüstungs-Initiativen, die Dringlichkeit jedoch erklärt, weshalb dennoch immer wieder neue Anläufe unternommen werden.

Am Dienstag hat sich die Genfer Siebzehn-Mächte-Konferenz nach fünfmonatiger Pause wieder versammelt. Die Delegationen traten nach den Worten des sowjetischen Vertreters Zarapkin "unter günstigeren Umständen als jemals zuvor" zusammen. Der amerikanische Präsident war ähnlicher Meinung: Die Beratungen, so sagte er, würden in einem "Klima der Hoffnung" wieder aufgenommen. Es zeigte sich in diesen Worten, daß der Anstoß noch nicht verpufft ist, der von den drei Rüstungskontroll-Übereinkünften des vergangenen Jahres ausging: der Einrichtung des "heißen Drahtes" zwischen Washington und Moskau, dem Moskauer Abkommen, das allen Atomwaffenversuchen außer den unterirdischen ein Ende setzte, und schließlich jener Absprache, nach der die Großmächte keine nuklearen Waffen im Weltraum stationieren wollen. Der Zwang zu weiterer Einigung ist groß.

Ebenso groß sind freilich die Hindernisse – um so größer, je weiter künftige Abmachungen aus dem technischen Bereich herausfallen und je mehr sie an jene politischen Streitfragen rühren, die Ost und West seit 1945 in gegensätzliche Positionen getrieben haben. So betrachtet, hat ein Abkommen über die Nichtweitergabe von Atomwaffen und Atomwissen an nichtnukleare Länder im Augenblick wohl auch die besten Chancen. Desgleichen mögen Ost und West übereinkommen, ihre veralteten Waffen nicht aus politischen Motiven an die jungen Staaten der "dritten Welt" zu verkaufen – Waffen, die dort noch immer modern genug wären, um die Spirale regionalen Wettrüstens anzukurbeln und gar bewaffnete Konflikte auszulösen.

Schon schwieriger wird es bei Präsident Johnsons Vorschlägen für ein inspiziertes "Einfrieren" der strategischen Waffen und für einen ebenfalls kontrollierten Stopp oder eine Drosselung der Produktion von spaltbarem Material für militärische Zwecke. Ist die Sowjetunion schon bereit, ausreichende Kontrollverfahren zu billigen? Von der Antwort auf diese Frage wird es auch abhängen, ob das Atomversuchsverbot auch auf die unterirdischen Waffentests ausgeweitet werden kann.

Vollends heikel wird es, wo nicht nur die Kontrollfrage ins Spiel kommt, sondern obendrein die ungelösten Probleme Mitteleuropas. Hierbei geht es vor allem um Maßnahmen zur Verhinderung eines Krieges aus Versehen oder Fehlkalkulation und um die Verringerung der Gefahr eines Überraschungsangriffes. Zwei konkrete Projekte sind im Gespräch: ein Nichtangriffs-Arrangement zwischen Warschauer Pakt und NATO sowie die Schaffung eines Systems von Bodenbeobachtungsposten. Auf die Bodenkontrollposten würde der Westen sich allerdings bloß einlassen, wenn nicht nur deutsches, sondern zugleich sowjetisches Gebiet der Inspektion geöffnet wird. Auch würde er diese Nichtangriffsvereinbarung nicht akzeptieren, wenn sie nicht handfeste Garantien für Westberlin und seine Zugangswege brächte. So erklärte sich Präsident Johnson auch bereit, auf Chruschtschows Vorschlag für einen weltweiten Gewaltsverzicht einzugehen, aber nur unter der Bedingung, daß er auch Subversion und Aggression umschließt.

Es wird in Genf so rasch wohl keine spektakulären Verhandlungsresultate geben. Die Pessimisten mögen ihre Befürchtungen übertreiben, die Optimisten ihre Hoffnungen. Indessen wird man wohl mit weiteren Abmachungen über periphere Fragen rechnen können – Abmachungen, die zwar nicht die Zeughäuser der Weltmächte leeren, aber doch das Tempo des Wettrüstens drosseln und das Leben mit den vorhandenen Waffenarsenalen etwas sicherer machen. Freilich, es wird dies ein Leben auf der Basis des politischen Status quo sein. Das hat der neue Auftakt in Genf auch schon deutlich werden lassen. Theo Sommer