Grau und kalt wir es an der Themse, aber warm und herzlich der Empfang für Bundeskanzler Erhard bei seinem Antrittsbesuch in Dovningstreet 10. Der Lord Mayor von London hielt seine Begrüßungsrede in Deutsch, der „Evening Standard“ verkündete: „Herr Optimist ist hier“. Der Kanzler wirkte heiter und gelöst: „Unsere Begehungen sind jetzt von jedem Zwielich: frei.“ Aus dem gemeinsamen Kommurique ist freilich nicht immer „volle Harmonie“ herauszulesen:

1. Ebenso wie der italienische Staatspräsident Segni letzte Woche in Washington, versicherte Erhard in London, Europa dürfe nicht ohne Großbritannien geeint werden. Aber et will abwarten, was die anderen EWG-S:aaten über die Einbeziehung Englands denken und wie die Unterhauswahl ausgeht. Die Briten waren so höflich, nicht zu tragen, ob Erhard einen Plan für eine europäische Union hat.

2. England will, im Gegensatz zu Bonn und Washington, Handelspartnern im Ostblock länger als fünf Jahre Kredit geben.

3. Die britische Rheinarmee soll ihre Stärke (33 000 Mann) behalten, doch ist unsicher, ob sie ihre Sollstärke (35 000) erreicht.

4. Die Briten wiederholten ihre Bedenken gegen die deutsche Wirtschaftshilfe für Indonesien (160 Millionen Mark). Sie möchten Sukarno kurzhalten, solange er das Commonwealth-Mitglied Malaysia bedroht.

Der Termin für den Besuch Königin Elizabeth in Bonn scheint näherzurücken, doch wird das Reiseprogramm erst nach der Geburt ihres vierten Kindes im März festgelegt. Bundespräsident Heim absolvierte schon 1958 einen Staatsbesuch in London. Als Mitglied des britischen Königshauses war bisher nur Prinzessin Margaret 1954 privat in Bonn.