Ku. Genf, im Januar

Die Erdölgesellschaften können erleichtert aufatmen. Bei ihren Verhandlungen mit der Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) ist eine unerwartete Wende eingetreten. Auf ihrem Treffen in Riyadh (Saudi Arabien) hat sich die Organisation bereiterklärt, sich erneut mit den Gesellschaften an einen Tisch zu setzen, um über die Verteilung der Gewinne zu sprechen.

Vor Beginn der Konferenz, die vom 24. bis 31. Dezember stattfand, sah es so aus, als seien die Verhandlungen endgültig gescheitert. Die Regierungen, die bisher einen Gewinnanteil von 50 Prozent erhielten, forderten eine höhere Beteiligung. Zum äußersten entschlossen, setzten sie sich in Riyadh an den Konferenztisch.

Die dort verabschiedeten sechs Resolutionen, die jetzt in Genf veröffentlicht wurden, klingen gegenüber dem Kriegsgeschrei vor der Konferenz jedoch recht zurückhaltend. „Die Zeit für eine Entscheidung ist noch nicht reif“, wird in der ersten Resolution festgestellt und gleichzeitig ein Angebot der Ölgesellschaften, das im November noch als „erniedrigend“ zurückgewiesen wurde, „als ein Schritt in Richtung auf die Ziele der Organisation“ bezeichnet. Die von den Gesellschaften gefürchteten einseitigen Maßnahmen blieben aus. Eine Verhandlungskommission soll neue Gespräche führen und am 6. April 1964 auf einer Konferenz in Genf Bericht erstatten.

Nur einmal klingen in den Resolutionen kriegerische Töne an, wenn die Mitgliedsländer feststellen, „daß sie unter keinen Umständen aufhören, für eine Verbesserung der Ölpreise zu kämpfen“. Doch das ist auch bereits alles.