Von Walther Weber

Hell wie der lichte Tag – OSRAM“, so leuchtet es nachts aus Neonröhren von den Häuserfassaden. Ob am Stachus in München, am Hauptbahnhof in Hamburg oder den zentralen Plätzen zahlreicher anderer Städte, der vor etwa zehn Jahren geschaffene Slogan dient einem Ziel: Er soll das Markenbewußtsein der Lichtverbraucher stärken und auf die rund 7500 Erzeugnistypen lenken, die Deutschlands größter Lampenhersteller, die Osram Gesellschaft mit beschränkter Haftung Berlin–München, produziert.

Offensichtlich haben der einprägsame Spruch, die Erzeugnisse und die Geschäftspolitik des Unternehmens ihre Wirkung nicht verfehlt: Fast 50 Prozent des bundesdeutschen Lampenmarktes werden durch das Unternehmen beliefert, das seinen Namen den ersten zwei und den letzten drei Buchstaben der chemischen Elemente mit den hohen Schmelzpunkten, OSmium und Wolf RAM, entlehnt.

Der größte Konkurrent, der niederländische Philips-Konzern (Werbeslogan: „Nimm doch Philips“), der in Deutschland eigene Werke besitzt, erreicht etwa die Hälfte dieses Marktanteils. Er befriedigt also etwa ein Viertel der deutschen Nachfrage nach Lichtspendern, die der Laie Glühbirnen und Leuchtröhren nennt, der Fachmann aber als Allgebrauchslampen und Entladungslampen klassifiziert. So verbleiben rund 25 Prozent des Marktes, den sich etwa zehn weitere Hersteller mit überwiegend mittelständischem Charakter und je weniger als 1000 Beschäftigten, sowie Importe (10 bis 15 Prozent) teilen müssen.

Wie ist es zu erklären, daß ein Unternehmen wie Osram eine derartige Vorrangstellung auf den Markt erringen konnte?

Deutschlands größte Elektrokonzerne, die Konkurrenten Siemens (2 40 000 Beschäftigte) und die AEG Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (127 000 Beschäftigte) liefern sich auf diesem forschungsintensiven Teilmarkt keinen, Wettbewerb, sondern arbeiten friedfertig miteinander. Und der größte Elektrokonzern der Welt, General Electric, New York, ist auch mit von der Partie.

In der krisenhaften und konzentrationsträchtigen Nachkriegszeit im Jahre 1919 hatten sich zunächst die Deutsche Gasglühlicht-Aktiengesellschaft (Auer-Gesellschaft), die AEG und das Haus Siemens geeinigt, ihre Glühlampenfabrikation zusammenzulegen, um die vorhandenen Patente besser auszuwerten, die Herstellung zu straffen, die Forschung zu intensivieren und, last but not least, den Markt erobern zu können. Von der Auer-Gesellschaft, dessen Inhaber, der Chemiker Auer von Welsbach, 1898 die Metallfadenlampe erfand, wurde in die Ehe zu dritt auch der Name Osram gebracht, den das Unternehmen schon seit 1906 für seine elektrischen Lichtquellen benutzte. Doch nicht lange blieb Auer der dritte Partner im Bunde. Er verkaufte seine Anteile an den General-Electric-Konzern, der in jener Zeit auch Großaktionär der AEG wurde, und heute mit mindestens 12 Prozent am AEG-Kapital beteiligt ist.