Wer leichtfertig die Frage stellt, ob es unseren Volksschulen gut täte, wenn deren Lehrer an Universitäten ausgebildet werden, muß sich auf außerordentlich heftigen Widerspruch von vielen Seiten gefaßt machen. Ganz gleich, zu welcher Antwort er sich durchringt – Widerspruch, wo nicht gar Empörung, ist ihm gewiß.

Nun gilt sicher für viele Fragen, daß es keine Antwort darauf gibt, diejedem recht wäre, daß jeder Versuch einer solchen dem Tollkühnen Vorwürfe einträgt, unter welchen der der kompletten Ignoranz noch einer der mildesten ist.

Aber es will nicht als Zufall erscheinen, daß solche heiklen Fragen besonders konzentriert auftreten auf dem Gebiet der Erziehung und der Bildung, wo Fragestellungen die Entwicklung zur Vermassung oder zur Verwissenschaftlichung, auch zur Verschulung berühren, wo bestimmte Meinungen und Richtungen Forderungen nach Darlegung der Wahrheitsfindung erheben – kurz, ich meine damit, wo Sitzungen, Beratungen, Besprechungen, Verhandlungen sich alle im Ung-Reich abstrakter Unverbindlichkeiten bewegen, in dem es keine Frontalzusammenstöße gibt (allenfalls ein paar kleine Stoßungen). Daß man die ganze Zeit aneinander vorbeigeredet hat, merkt man erst, wenn man „das Getto des eigenen Pathos“ (wie Thomas Ellwein das Milieu, in dem über Lehrerbildung diskutiert wird, einmal sehr treffend bezeichnet hat), wenn man dieses Getto verläßt und sich in die Welt der Reformen und Gesetze begibt, wo nun konkret festgelegt werden soll: Was ist zu tun?

Daß Volksschulen und Volksschullehrer wichtig sind, kann man sehr pathetisch ausdrücken. Bei der Frage, was für praktische Konsequenzen aus dieser Erkenntnis gezogen werden müssen, hilft das Pathos nicht mehr viel.

Ursprünglich wurden in Deutschland Volksschullehrer an Seminaren ausgebildet. Aber „Wissenschaft“ hieß das Losungswort des Jahrhunderts. An den Seminaren, war von Wissenschaft weniger die Rede. An ihre Stelle traten, Ende der zwanziger Jahre, Pädagogische Akademien.

Noch ehe die neuen Institutionen sich wirklich bewähren konnten, kam Hitlers Regierung und mit ihr ein Rückschritt zu den Seminaren – man nannte sie seit 1941 Lehrerbildungsanstalten.

Da lag es nahe, 1945 auf die Akademien, wie sie vor Hitler bestanden hatten, zurückzugreifen. Diese Akademien waren, und sind noch immer, Hochschulen ohne Universitätsrang. Sie nehmen, dem wohltönenden und so viel mehr versprechenden Namen zum Trotz, eine Zwitterstellung ein zwischen „richtigen Universitäten“ und „bloßen Fachschulen“, die nicht dazu angetan scheint, allgemein Behagen und Zufriedenheit zu stiften. Ihre Absolventen sahen sich in die Lage gedrängt von Studenten, bei denen es zum richtigen Studium nicht ganz reichte; ebenso wie ihre Professoren wenig Glücksgefühl daraus gewannen, „nicht Universitätsprofessoren“ zu sein.