Der Schwarze Erdteil, das Schachbrett der weltpolitischen Strategen in Moskau, Peking, Havanna und Kairo, wurde in der letzten Woche von neuen Unruhen erschüttert. Ein kommunistischer Putsch droht die Insel Sansibar in ein zweites Kuba zu verwandeln. Der Funke des Aufruhrs sprang über nach Tanganjika, das als stabilster Staat des neuen Afrika gegolten hatte. Die Nachbarn im Norden, Uganda und Kenia noch nicht lange aus der Obhut der britischen Krone entlassen, und Nordrhodesien im Süden, wo soeben, nicht ohne vorhergehende blutige Parteikämpfe, erstmals eine Selbstverwaltung gewählt wurde, fürchten ein Weiterfressen des Brandes. In den ehemals belgisch verwalteten Teilen Deutsch-Ostafrikas, Ruanda und Burundi, versuchten Stammes-Krieger der Watussi, finanziert mit chinesischem Geld, ihren König Kigeri auf den Thron zurückzubringen. Das Unternehmen wurde im Blut erstickt, doch die Wirtschaftsunion zwischen den beiden Staaten zerbrach darüber. Feinde der Regierung Adoula im Kongo schmuggelten sowjetische Waffen ein, gelehrige Schüler Pekings zettelten in der Provinz Kwilu Aufstände an. Als Apostel friedlicher Koexistenz reiste derweilen der chinesische Ministerpräsident Tschu En-Lai durch die westafrikanischen Staaten Mali und Guinea. Sein nächstes Ziel ist der Sudan, der südlichste Partnerstaat der Arabischen Liga. In Nordafrika vollbrachte Gamal Abd el Nasser ein beachtliches Werk der Versöhnung mit den zerstrittenen Brüdern zwischen Casablanca und Tunis, doch muß sich dessen Beständigkeit noch erweisen.