Der amerikanische Nationalheld und Weltraumpilot John A. Glenn jr. stand am letzten Freitag die härteste Nervenprobe durch, seit er sich am 20. Februar 1962 als erster Amerikaner in den Weltraum schießen ließ. Mit 42 Jahren beschloß er, Politiker zu werden. Hartgesottene Journalisten prüften ihn politisch auf Herz und Nieren. Vor mancher Antwort biß sich Glenn erst mal auf die Zunge.

Politische Qualitäten konnte er nicht vorweisen. Statt dessen berief er sich auf seine 22 Dienstjahre beim Marinekorps. Er sei zu alt, um sich noch auf den Mond katapultieren zu lassen, aber noch jung genug für einen Start in den Senat. Dort könne er bei den Beratungen über den Etat für Weltraumfahrt und Forschung seine Kenntnisse verwerten.

Glenn will für die Demokraten kandidieren, da auch seine Eltern immer diese Partei wählten. Außerdem ist er mit Justizminister „Bob“ Kennedy befreundet und war öfters bei den Kennedys in Cape Cod zu Gast.

In den Vorwahlen muß sichder Astronaut noch mit dem 74jährigenSenator Young herumschlagen.Sein ist ebenauf der republikanischen Seite ist ebenfalls Träger eines berühmten Namens: Robert Taft jr., Sohn des bekannten Senators. Glenn jedoch istzuversichlich: „Ich werde gewählt werden.“

Auf dem Kapitolshügel in Washington war das Echo zwiespältig. Alteingesessene Politiker zürnen dem Astronauten, weil er seinen Ruhm in politische Münze schlägt. Ein Demokrat meinte: „Der Durchschnittsamerikaner wird zögern, seine Stimme gegen Glenn abzugeben. Da, ware, als würde ergegen dieeigene Flagge stimmen!“