M. E., Berlin

Der erste Führer durch Ostberlin ist im Verlag „Das neue Berlin“ herausgekommen (Annemarie Lange, Führer durch Berlin, Reisehandbuch für die Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik). Der Band ist aus vielen Gründen interessant. Einmal läßt sich an ihm ablesen, wo die beiden Teile Berlins technisch noch zusammenhängen und wo nicht. Dann informiert er auch zuverlässig über die historischen Bauten, über Abriß, durchgeführten und geplanten Wiederaufbau.

Abgetragen wurden zum Beispiel die Bauakademie, die in der Nähe des Märkischen Museum wieder erstehen soll und die Schloßruine, deren Sicherung nach Annemarie Lange 30 Millionen Mark gekostet hätte. Die Restaurierung des Marstalls ist im Gang, seine Renaissancefassade wiederhergestellt, an der langen Wasserfront und am Ausbau des Hauptflügels wird gearbeitet, nach der Fertigstellung soll der Bau „Haus der Volkskunst“ heißen.

Die kulturhistorisch wertvollen Gebäude an der Breiten Straße, soweit sie den Krieg überlebten, sind instandgesetzt, erhalten oder wiederhergestellt, auch das Ribbeck- und das Ermeler-Haus. Die schwer zerstörte Petrikirche wird abgerissen. Das Zeughaus, die Marienkirche und die Oper sind seit längerer Zeit aufgebaut und in Benutzung. Der Neubau der Hedwigkathedrale ist jüngsten Datums. Das alte Museum wird restauriert, der Dom soll aufgebaut werden. Die Rokokofassade des Prinzessin-Palais ist hergestellt, in Kürze soll der Bau als Operncafe eröffnet werden. Noch ausgebrannt und düster liegt die alte Bibliothek (die Bücherkommode) am heutigen Bebel-, dem früheren Opernplatz da. Sie soll aber wie das nach den Linden zu anschließende alte Palais wieder erstehen. Daran grenzen wird das Kommandantenhaus, das an der alten Stelle Rathausecke/Jüdenstraße abgerissen wird.

Das Schinkelsche Schauspielhaus (Platz der Akademie, früher Gendarmenmarkt) ist – dies noch Zukunftsmusik – ab Konzerthaus mit restaurierter Fassade geplant, die Gontardschen Türme des deutschen und französischen Dom; sollen aufgebaut werden.

Der Ostberliner Führer unterrichtet auch über die durchgeführte und geplante Neugestaltung der acht Stadtbezirke hinter der Mauer. Ein Paradebeispiel ist die Karl-Marx-Allee, 1952/53 als „erste sozialistische Straße Berlins“ gebaut, eine Straße ohne Privatbesitz an Grund und Boden mit Häusern, Läden, Lokalen, mit dem Berolinahotel (420 Zimmer), das 1964 eröffnet werden soll – womit die 13 vorhandenen Hotels um eins vermehrt werden –, mit dem „Haus der Wissenschaftler und Lehrer“, den beider, Lichtspieltheatern Kosmos und International und den Gaststätten Budapest, Warschau und Moskau.

Auch alte Berliner Gaststätten tauchen auf, „Zur letzten Instanz“ beispielsweise in der Waisenstraße, die Raabediele in der Sperlinggasse, die Gaststätte im Keller des Deutscher. Theaters in der Schumannstraße.

Gegen solche Szenerien einer abgeschiedenen, immer noch großartigen Repräsentanz steht dann ein Satz wie der unter „Hinweise für Autofahrer“: „Der starke Straßenverkehr in Berlin macht unbedingte Verkehrsdisziplin notwendig Rechnen sie für Fahrten im Stadtgebiet mehr Zeit als für die Landstraße (viele Straßenkreuzungen, Verkehrsregelung, langsame Vorbeifahrt an Haltestellen usw.) Fußgängerschutzwege und Vorfahrtsschilder beachten!“