Bruno E. Werner, der – 67 Jahre alt – in Davos starb, war ein Mann voller Anmut. Jedenfalls war dies die Eigenschaft, die ihn in den Augen derer auszeichnete, die ihn vor vielen Jahren in Berlin immer wieder trafen, damals, im „Dritten Reich“. Er war Chefredakteur der „neuen linie“, nachdem er in der Feuilleton-Redaktion der DAZ gearbeitet hatte. Schon deshalb, weil er sich ebenso elegant wie kultiviert betrug wie die Illustrierte, die er leitete, wurde er von den Mächtigen mißtrauisch beäugt und gelegentlich sogar zu Äußerungen erpreßt, die ihnen in den Kram paßten. So stand er mehr als einmal vor dem Entschluß, das Land zu verlassen. Daß er schließlich blieb, lag wohl nicht zuletzt an einem Plan, den er hegte und den er den Freunden mitteilte: Er bereitete einen Roman über das Leben des Bildungsbürgers in dieser Zeit vor. Nach außen blieb er bei seiner Haltung des Grandseigneurs.

Dieser Roman – „Die Galeere“ – erschien nicht lange nach dem Krieg. Er erregte Begeisterung, aber auch Betroffenheit. Denn nicht nur, daß die in den Orkus gefahrenen Mächtigen darin angeprangert wurden, auch das „Bildungsbürgertum“, zu dem der kluge und universell geschulte Dr. Bruno E. Werner selbst gehörte, wurde so ehrlich geschildert, daß seine Schwächen noch einmal zutage traten.

Schließlich hat Bruno E. Werner auch eine journalistische Meisterleistung vollbracht: In der „Neuen Zeitung“, die von den Amerikanern für Deutschland herausgegeben wurde, prägte er einen Kulturteil, dessen Ströme vornehmlich aus deutschen Quellen flossen. Das war in den Jahren Null unserer Nachkriegsgeschichte wirklich eine Tat. Und dabei pflegte er sein Hauptvergnügen: neue Talente zu entdecken oder zu fördern. Paul Flora, der Zeichner der ZEIT, gehörte zu ihnen.

Als 1952 im Auswärtigen Amt der Plan reifte, einen deutschen Kulturattaché nach Washington zu schicken, war für dieses Amt niemand besser geeignet als Bruno E. Werner. Damals wehte in Amerika beileibe noch kein freundlicher Wind. Der Attaché kam im rechten Augenblick. Er hat sich um die deutsch-amerikanische Freundschaft mit viel Takt, mit unendlicher Mühe und mit Anmut verdient gemacht. Bis ihn schließlich das Beamten-Schicksal erreichte: die Altersgrenze.

Er kam nach Deutschland zurück voller Arbeitslust. Und war entschlossen, mit Grazie zu altern. Doch dazu wurde ihm schließlich nicht mehr viel Zeit gegeben. Es ist ein junger „Bruno E.“, der uns im dankbaren Freundesgedächtnis bleibt. J. M.-M.