Die Ostafrikaner wurden am vergangenen Wochenende an die Zeiten der eben erst vergangenen Kolonialherrschaft erinnert: Britische Truppen marschierten in Tanganjika, Kenia und Uganda ein. Die Regierungen der drei jungen Staaten (Tanganjika ist seit 1961 frei, Uganda seit 1962, Kenia seit Weihnachten) mußten die Tommies zurückrufen, weil sie mit ihren meuternden Armeen nicht fertig wurden.

Die Briten bereiteten dem Spuk ein rasches Ende. 2000 Askaris wurden nach kurzem Kampf entwaffnet. Es war die erste größere militärische Intervention Großbritanniens seit der Suezkrise 1956. Die Militärs hatten aus den Fehlern von damals gelernt. Diesmal waren die strategischen Reserven blitzschnell zur Stelle. Etwa 10 000 englische Soldaten bewahren nun Ostafrika vor dem Chaos; der größte Teil war noch in Kenia stationiert, der Rest wurde von außen eingeflogen.

Die afrikanischen Regierungschefs sind alles andere als glücklich über ihren Prestigeverlust. Präsident Kenyatta in Kenia will die Meuterer hart bestrafen. In Tanganjika will Präsident Nyerere aus Jugendlichen seiner Partei eine neue Armee aufbauen. Am peinlichsten ist die Affäre für Premierminister Obote von Uganda, der in letzter Zeit die einstigen Kolonialherren böse beschimpft hatte.

Die Unruhen schlugen auch Wellen nach Nordrhodesien, das in Sommer aus britischer Herrschaft entlassen werden soll. Premierminister Kenneth Kaunda, dessen schwarze Partei soeber in Wahlen die absolute Mehrheit gewann, besuchte seine Soldaten in den Kasernen und versprach höheren Sold. Nach de-Enttäuschung über Nyerere setzen die Engländer große Hoffnungen auf Kaunda, dem mit 39 Jahren jüngsten Premier in Commonwealth. Kaunda, ein Hüne von 1,85 Meter, an Missionsschulen erzogen, verfolgt eine Politik der Rassengleichheit, jedoch sind weder die Radikalen unter den Schwarzen noch die 70 000 Weißen im Lande ihm wohlgesonnen. Kaunda würde sogar, wenn Kapstadt bereit wäre, Beziehungen zu Südafrika aufnehmen. „Es ist nicht unsere Absicht, bewaffnete Aufstände in einem anderen Land zu ermutigen. Wir wollen die Schweiz von Afrika sein.“

Aufgeschreckt durch die Ereignisse im Norden, stellte die weiße Minderheitenregierung in Südrhodesien der britischen Regierung ein Ultimatum. Premierminister Winston Field bestand in London darauf, auch seinem Land, trotz der von London mißbilligten Rassentrennung, die Unabhängigkeit zu geben. Andernfalls würden sich die Siedler selber helfen und einen eigenen Staat gründen.

Die britischen Truppenbewegungen in Ostafrika weckten den Argwohn der Sowjets. Sie warnten vor einer Landung auf der Insel Sansibar, dem Ausgangspunkt der Rebellion. Die neue Volksrepublik Sansibar könne, so erklärten sie, auf sowjetische Hilfe rechnen.

Angesichts des gefährlichen Aufruhrs in Ost- und Mittelafrika schickte Präsident Nyerere von Tanganjika eine Botschaft an alle Staatsmänner Afrikas. Sein Vorschlag: Krisenkonferenz aller Außen- und Verteidigungsminister.