Von Ulrich Lohmar

Die Förderung der Hochschulen und der Forschung in der Bundesrepublik bedarf einer langfristig gesicherten und großzügigen Finanzierung, einer angemessenen politischen Organisationsform auf den Ebenen des Bundes und der Länder und der Bereitschaft zur Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Universitäten.

Die Reform der Hochschulen steht auf einem anderen Blatt. Sie sollte sich vordringlich einer Rationalisierung des Studiums und einer Liberalisierung des Berufungsverfahrens zuwenden.

Probleme der Finanzierung, Organisation und Kooperation laden nicht zu geistigen Höhenflügen ein. Auch Modellkonstruktionen helfen hier nicht weiter. Was wir brauchen, ist ein Entschluß zur Planung. Entkleidet man dieses Wort seines ideologischen Gehalts, dann heißt Planung dies: Man muß wissen, was man will, was man braucht, was zur Verfügung steht – und wie man daraus eine Politik formen kann.

Bundeskanzler Erhard hat in seiner Regierungserklärung gesagt, den Aufgaben im Bildungswesen und in der Wissenschaft komme heute die Bedeutung zu, die im 19. Jahrhundert die soziale Frage gehabt habe. Willy Brandt und Fritz Erler haben dieser Auffassung namens der Sozialdemokratie zugestimmt. In der politischen Führung der großen Parteien besteht somit, sollte man meinen, der Wille zu einer großzügigen Bildungs- und Wissenschaftspolitik. Auf die Hilfe der Liberalen darf man hier rechnen. Dennoch geschieht wenig, zu wenig. Das hat mehrere Gründe.

1. Uns fehlt eine exakte Bildungsplanung Die ständige Konferenz der Kultusminister und der Wissenschaftsrat haben mit ihren Gutachten einen Anfang gemacht. Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, von Hellmut Becker geleitet, nimmt in Berlin seine Arbeit gerade auf.

Was wir aber rasch benötigen, ist ein ungefährer Überblick über den Bedarf nicht nur an Lehrern (hier haben die Kultusminister verläßliche Schätzungen vorgelegt), sondern auch an Ingenieuren, Technikern und an Nachwuchskräften für die vielen Berufe, die eine akademische Ausbildung erfordern.