Paris, Ende Januar

Die erste Etappe der Aufwärtsbewegung ist abgeschlossen. Gegen den Kursstand vom Vormonat waren 160 gewinnbringende gegenüber nur 10 verlustreichen Positionen festzustellen.

Das Geschäft hat eine beträchtliche Belebung erfahren. Die Umsätze liegen im täglichen Wochendurchschnitt wieder erheblich über 100 Millionen Francs. Termingeschäfte in Aktien haben zu Lasten des Umsatzes in festverzinslichen Werten wieder ein Übergewicht erlangt. Von allen Seiten strömen dem Markt Aufträge zu: Vom Ausland, von der Pariser und der provinziellen Kundschaft, von Kapitalsammelstellen und schließlich auch von den Banken, die für die Anfang Februar einzuführenden Investmenttrusts Material ansammeln.

Das Klima hat sich somit grundsätzlich geändert. Ungefähr zwei Drittel der Baissiers haben sich eingedeckt. Von dieser Seite ist daher nur noch in beschränktem Umfang technische Hilfe für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung zu erwarten. Die Tendenz dürfte zwar grundsätzlich fest bleiben, wird aber unregelmäßig werden, weil die im vergangenen Monat zahlreich eingegangenen Prämienabschlüsse die Baissiers bei steigenden Kursen zu gewinnbringenden Verkäufen einladen.

Neue Anregungen können der Börse direkt von der Wirtschaft zufließen. Die bereits für 1963 veröffentlichten Umsatzziffern der Unternehmen für das Jahr 1963 sind über alle Erwartungen günstig ausgefallen. Sicherlich werden wegen der gestiegenen Kosten nur in den seltensten Fällen die Dividendensätze erhöht werden. Die Ausschüttungssumme liegt jedoch über der des Vorjahres, da im Jahre 1963 zahlreiche Kapitalerhöhungen vorgenommen worden waren. Wenn die Unternehmen im April ihre Abschlüsse vorlegen, dürfte das die Börse positiv beeinflussen. Bis dahin dürften vor allem die Kurse der Branchen, die seit mehr als einem Jahr unter Kursdruck gestanden haben, wesentliche Korrekturen erfahren, so beispielsweise die Montanwerte.

Denn die Schwerindustrie hat sich mit der Regierung über ihr Investitionsprogramm verständigt. Sie sieht der Zukunft wieder mit Optimismus entgegen. Neue Zusammenschlüsse stehen bevor. Bereits heute entfallen etwa 70 Prozent der französischen Montanerzeugung auf zehn Großfirmen.

Auch Erdölwerte, die lange Jahre das Sorgenkind der Börse gewesen sind, werden heute günstiger beurteilt. Obwohl die gesamte Erdölindustrie der Welt noch unter einer politischen Hypothek leidet, wird das politische Risiko nun leichter eingeschätzt. Die führende französische Erdölgesellschaft, Française des Pétroles, hat ihre Weltrisiken gut verteilt; sie kann von der algerischen Seite kaum mehr gefährdet werden. Eine freundschaftliche Zusammenarbeit mit der zweitgrößten, der Regierung nahestehenden Erdölgesellschaft, der Société Nationale des Pétroles d’Aquitaine, soll der französischen Erdölindustrie neue zusätzliche Sicherungen geben. Auch für die Banken war 1963 ein gutes Jahr. Dividendenerhöhungen sind zwar nicht zu erwarten, doch ist nicht ausgeschlossen, daß Kapitalerhöhungen vorgenommen werden. Retlaw