Das Geschäftsjahr 1962/63 war hart“ – mit diesem Stoßseufzer eröffnete Vorstandsmitglied Otto-August Siering die diesjährige Pressekonferenz der Hüttenwerk Oberhausen AG, Oberhausen. Das ist eine Feststellung, die in dieser Bilanzsaison aus den Reihen der Montanindustrie sicher noch häufiger – mehr oder weniger begründet – zu hören sein wird; aber bei der Hoag ist dieser Kommentar durchaus angebracht. Das vergangene Geschäftsjahr hat schwere Einbußen gebracht, vor allem auf der Stahlseite des Konzerns. Es hat sich hier sogar die paradoxe Situation ergeben, daß die Zechen das Hüttenwerk stützen mußten.

Ohne ihren Kohlenbergbau wäre die Hoag im vergangenen Jahr ziemlich arm dran gewesen! Und ganz sicher wären vor allem die Aktionäre des Unternehmens wohl nicht mehr so ungeschoren davon gekommen, wenn sie allein aus dem im Stahlgeschäft erwirtschafteten Ergebnis hätten bedient werden müssen. Die Ausschüttung einer unveränderten Dividende von 10 Prozent auf das 260 Millionen Mark ausmachende Grundkapital der Gesellschaft war tatsächlich nicht ohne weiteres zu erwarten gewesen, obwohl es andererseits ja bekannt ist, daß die Großaktionäre der Hoag – die weitverzweigte Familie Haniel – gern Geld sehen!

Der Dividendenvorschlag sei vor allem unter dem Gesichtspunkt der-Kontinuität gemacht worden, hieß es in der Pressekonferenz; aber Siering betonte auch ausdrücklich, daß die 10 Prozent wirklich erwirtschaftet worden seien. Es sei nicht nötig gewesen, dafür an die Substanz des Unternehmens herauszugehen. Immerhin ist die diesjährige Hoag-Dividende nicht nur ein Ausdruck der erfreulichen Entwicklung im Bergbau, sondern einer „vorsichtigen Bewertungspolitik in den vergangenen Jahren“, der Realisierung stiller Reserven also.

Daß die günstigere Entwicklung des Unternehmens in den ersten Monaten des laufenden Geschäftsjahres bei dem Dividendenbeschluß Pate gestanden hat, wurde in der Pressekonferenz ausdrücklich verneint. Das bedeutet indessen nicht, daß es für die rund 18 000 Aktionäre der Hoag nicht von besonderem Interesse ist, wenn die Oberhausener Verwaltung in diesem Jahre mit einer nachhaltigen Wendung zum Besseren rechnet.

Der Umsatz hat sich im ersten Quartal des Geschäftsjahres 1963/64 auf einen Monatsdurchschnitt von 92,9 gegenüber 87,9 Millionen DM im Vergleichszeitraum des Berichtsjahres erhöht, und diesmal ist auch die Hütte mit von der Partie. Im Bergbau stieg der Umsatz auf 20,1 nach 19,7 Millionen DM und beim Hüttenwerk auf 59,1 nach 56,2 Millionen DM. Im Zusammenhang mit der in Luxemburg verhandelten Heraufsetzung der Stahlzölle rechnet die Hoag-Verwaltung mit einer Erlösaufbesserung von 2 bis 3 Prozent. Dieser Satz werde sich bereits spürbar in der Ertragsrechnung des laufenden Jahres niederschlagen, hieß es dazu, und zusammenfassend unterstrich Vorstandsmitglied Siering die hoffnungsvolleren Aspekte am Stahlmarkt mit den Worten: „... dann wird man uns wieder lächeln sehen.“

Das Berichtsjahr stand insbesondere beim Stahl unter unguten Sternen. Wenn der Umsatzrückgang des Gesamtunternehmens – der Fremdumsatz betrug 947 nach 959 Millionen Mark – noch relativ glimpflich war, so ist das ausschließlich der Entwicklung bei der Kohle zu verdanken. Der Bergbau der Gesellschaft erzielte eine bemerkenswerte Umsatzsteigerung auf 237 (198) Millionen Mark. Dahinter steht eine erhebliche Zunahme der Steinkohlenförderung auf 4,8 (4,4) Millionen Tonnen, vor allem aber auch eine beachtliche Entwicklung der Stromerzeugung. Die drei Zechenkraftwerke überschritten im Berichtsjahre zum ersten Male 1 Milliarde kWh. 755 Millionen kWh wurden – gegenüber 609 im Vorjahre – an das öffentliche Netz abgegeben; den daraus erzielten Erlös bezifferte die Verwaltung auf 32 Millionen Mark. Die Schichtleistung der Hoag-Zechen ist weiter auf 2,531 (2,326) t verbessert worden, ein wichtiges Indiz dafür, daß sich die forcierte Rationalisierung auch im Betriebsergebnis niederschlägt.

Die Erfolge bei der Kohle reichten indessen nicht aus, um die Absatzeinbußen der Hütte wieder wettzumachen. Der Fremdumsatz des Hüttenwerkes fiel auf 710 (761) Millionen. Die Durchschnittserlöse seien weiter abgesunken, heißt es im Geschäftsbericht. Zwar läßt sich aus den bei der Hoag traditionsgemäß veröffentlichten Versandmengen ein relativ stabiler Durchschnittserlös von 530 (533) Millionen Mark errechnen, aber das sei, wie die Verwaltung erklärt, eine trügerische Zahl: der Anteil höherwertiger Erzeugnisse habe sich entsprechend vergrößert; außerdem habe das Roheisengeschäft eine größere Rolle gespielt als in früheren Jahren.