Weil dieses Problem gerade für unsere Landwirtschaft sehr bedeutsam ist, hat neulich der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Edmund Rehwinkel, zu der Frage, wer am Zweiten Weltkrieg schuld sei, in erfrischender Offenheit Stellung genommen. Jawohl, das mußte einmal ausgesprochen werden! Immer noch scheint es nämlich Zeitgenossen zu geben, die meinen, Hitler habe ihn gewollt und mutwillig vom Zaun gebrochen.

Allerdings wurden wir nicht zum ersten Male Opfer solcher Verleumdungen. Schon am Ausbruch des Ersten Weltkrieges sollen wir ja nicht ganz unbeteiligt gewesen sein. Dabei steht heute ziemlich fest, daß wir damals völlig unschuldig in österreichisch-serbische Zwistigkeiten hineingezogen und schließlich gezwungen wurden, gänzlich unvorbereitet, tief in Frankreich und Rußland einzudringen, weil wir sonst das Opfer einer Weltverschwörung geworden wären.

Hinsichtlich des Zweiten Weltkrieges möchte ich noch einige Schritte über Rehwinkel hinausgehen. Nicht die lächerliche These von der Alleinschuld Deutschlands interessiert mich, sondern die von der Alleinschuld Polens! Gewiß, dafür sprechen manche Indizien. Hätten die Polen damals nicht den Fehler begangen, sich so hartnäckig unseren maßvollen Gebietsforderungen zu widersetzen, dann hätten wir nicht Warschau zerstören müssen; ihnen wäre wie später den Tschechen (von Lidice und so weiter abgesehen) kein Haar gekrümmt worden.

Schuld haben sie zweifellos aber nicht allein. Mußten denn Frankreich und England Polen nicht nur eine Garantie geben – was hatten diese Länder in Osteuropa verloren? –, sondern diese Garantie auch noch einlösen? Aber ihre Schuld geht ja noch viel weiter. Niemals hätten wir diesem Hitler legal zur Macht verholfen, wenn sich die Westmächte nicht durch unsere Friedensbedingungen für die Russen in Brest-Litowsk zum Versailler Vertrag hätten angespornt gefühlt. Schuld an Hitler sind sie, nicht wir.

Und später haben sie ihn ruhig gewähren lassen und tatenlos zugeschaut, wie wir ins Rheinland, in Österreich und in Prag einmarschiert sind – ja, zwischendurch auch noch abgerüstet, statt dem Führer mal gehörig auf die Finger zu klopfen. Auf diese Weise haben sie ihn geradezu gezwungen, immer weiterzumachen.

Zugegeben: damals hätten wir jedes Eingreifen als empörende Einmischung in unsere internen Angelegenheiten angesehen und über die Völkerrechtsverletzungen der anderen sehr erregt. Heute sieht man das alles klarer – und erkennt auch, wieviel Schuld etwa, die Amerikaner auf sich geladen haben.

Abgesehen davon, daß sie die Japaner ganz unfair dazu brachten, Pearl Harbor zu überfallen, hat dieser Roosevelt uns so provoziert, daß wir auch noch Amerika den Krieg erklären mußten, obwohl wir schon mit der halben Welt im Krieg standen.