Am Flugsicherungs-Simulator: Probe für Überschallgeschwindigkeiten

Von Heinz Michaels

In zwei Jahren sollen die europäischen Flugsicherungsexperten ein Riesenspielzeug bekommen – ein teures Spielzeug (Kostenpunkt: 15 Millionen Mark) und ein Spielzeug, das für sehr ernsthafte Zwecke konstruiert ist. An diesem Gerät, einem Flugsicherungs-Simulator, sollen die Probleme des Luftverkehrs von morgen durchgespielt werden. Das Gerät wird von der europäischen Flugsicherungsorganisation Eurocontrol in ihrem Versuchszentrum in Brétigny bei Paris installiert.

Die Flugsicherungsfachleute sind gebrannte Kinder. Schon einmal wurden sie von der Entwicklung überrannt – als vor fünf Jahren die ersten Düsenflugzeuge im inte nationalen Luftverkehr auftauchten. Die Flugsicherungslotsen hatten damals kaum Gelegenheit, sich mit den Problemen des schnellen Luftverkehrs vertraut zu machen, und ihnen steht heute noch nicht die notwendige technische Ausrüstung zur Verfügung.

Die Männer der Flugsicherung wurden überfordert und sie sind es heute noch. In abgedunkelten Räumen hocken die Lotsen vor schrägen Pulten, auf denen Pappstreifen mit handgeschriebenen Flugdaten die Flugzeuge registrieren, die sich in dem kontrollierten Luftraum befinden. Dem Lotsen bleibt es überlassen, sich in Gedanken ein Luftlagebild zu machen, sich in seiner Phantasie vorzustellen, wo und wann kritische Situationen oder gar die Gefahr eines Zusammenstoßes entstehen können. Nur allmählich halten elektronische Roboter zur Unterstützung der Lotsen ihren Einzug in die Flugsicherungszentralen.

Für den Ernstfall üben

Wenn nun künftig, in fünf Jahren oder auch erst in acht, Überschallflugzeuge die Passagiere in drei Stunden über den Nordatlantik bringen, dann wollen die Flugsicherer besser vorbereitet sein. Dieser Vorbereitung dient die neue Versuchsanlage in Brétigny. Im Modell einer Flugsicherungszentrale der Zukunft können die Experten dort für den Ernstfall von Morgen üben, so wie es die Militärs seit eh und je im Sandkasten tun.