Ein deutscher Botschafter hat bei einem Vortrag Franz von Papens nichts zu suchen. Auch nicht, wenn Papen als Gast einer fremden Regierung spricht und der Botschafter mehrere Einladungen erhalten hat. Botschafter Allardt in Madrid hat offenbar so wenig Fingerspitzengefühl, das er das nicht begriff. Oder plagte ihn falsche Mannen-Treue gegenüber seinem früheren Vorgesetzten? Inzwischen hat Allardt einen Brief seines Ministers erhalten, den er gewiß nicht mit Vergnügen gelesen hat. Schröder, der den Botschafter schon vor dem Bundestag gerügt hatte, machte ihm klar, was er der Bundesrepublik als ihr Botschafter schuldig ist.

Allardts Anwesenheit bei dem Madrider Vortrag war um so peinlicher, als Papen der Bundesrepublik Deutschland vorwarf, in ihr herrsche der „Geist der Zersetzung“; Sozialisten und Linksradikale spielten eine üble Rolle. Das waren dieselben Argumente, mit denen Franz von Papen die Weimarer Republik in die Hände Hitlers gespielt hat. R. S.