Jack Ruby, der Nachtlokalbesitzer aus Dallas in Texas und Mörder des mutmaßlichen Kennedy-Attentäters Harry Lee Oswald, mußte sich psychiatrisch untersuchen lassen. Vor dem Gericht in Dallas hatte die Verteidigung bereits zwei Psychologen aufgeboten, die dem Angeklagten mangelnde Zurechnungsfähigkeit bescheinigten. Doch das Gericht gab sich nicht damit zufrieden.

Mit Hilfe des Gutachtens will die Verteidigung erreichen, daß Ruby gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt wird. Rubys Freunde bettelten mit Inseraten in der „New York Times“ um Geld für die hohen Anwalts- und Arztkosten.

Dr. Roy Schaf er, ein Psychologe der Yale-Universität, sagte vor Gericht, Ruby müsse in seiner Jugend eine Gehirnverletzung erlitten haben oder eine Enzephalitis, die zu ständiger körperlicher Schwäche führt. Ruby scheine sich nicht immer unter Kontrolle zu haben. In seiner Persönlichkeit sei ein paranoider Zug festzustellen.

Dr. Walter Bromberg, Chefpsychiater einer Nervenheilanstalt, grub in Rubys Kindheitserinnerungen nach. Seine leichte Erregbarkeit erbte Ruby von seinem Vater, einem prahlsüchtigen Trunkenbold und Nichtstuer aus Russisch-Polen. Bei Straßenschlachten in Chikago rannte sich Ruby den Schädel ein; die Spitze seines Zeigefingers wurde ihm abgebissen. Mit Rabauken in seiner Bar machte er stets kurzen Prozeß. „Furchtlos schlug er ihnen die Pistolen aus der Hand“, sagte der Arzt. „Er ließ seine Muskeln spielen und rühmte sich seiner Zähigkeit.“ Auch im Sexualleben des Angeklagten fand Bromberg einige Hinweise für die Tat.

Von Präsident Kennedy spricht Ruby mit großer Liebe. Als Reporter den Angeklagten fragten, was er nach dem Attentat auf Kennedy empfunden habe, füllten sich seine Augen mit Tränen. Er wurde blaß, seine Stimme schwankte: „Ich verstand es einfach nicht, wie uns ein so großer Mann verlorengehen konnte.“