Die rasche Entwicklung unserer Wirtschaft verlangt nach einer immer größeren Zahl von gut ausgebildeten Leuten der herkömmlichen Berufe. Dazu gehen aus dem technischen Fortschritt neue Berufe hervor, für die keine Ausbildungswege bestehen, sondern erst noch geschaffen werden; müssen. Betrachten wir die skizzierte Entwicklung zunächst an einem einfachen Beispiel auf der niedrigsten Ausbildungsstufe, dem Handlanger. Vor einigen Jahren genügte es, wenn ein Mann genügend kräftig war, um in der Industrie eine Handlangertätigkeit ausüben zu können. Heute werden Handlanger weitgehend durch Elektrowagenfahrer ersetzt, und schon sieht die Anforderungstabelle, das Berufsbild, wesentlich anspruchsvoller aus. So wird eine genügend große Reaktionsfähigkeit, technisches Verständnis und Sinn für Verantwortung gegenüber Betriebsmitteln und Personen verlangt. Auch auf einer höheren Stufe, bei einem Lehrberuf etwa, zeigt sich, daß zum Aufstieg in der betrieblichen Hierarchie, zum Hineinwachsen in eine verantwortungsvollere Arbeit, zusätzliches Wissen unumgänglich ist. Der Maschinenzeichner, der Laborant müssen sich weiterbilden, um Aufgaben des Ingenieurs, des Chemikers zu übernehmen, so daß diese für andere Aufgaben frei werden.

Aus dem Gesagten ist ersichtlich, daß die Grundausbildung, sei dies nun eine Berufslehre oder ein Schulabschluß, immer häufiger durch zielgerichtete Weiterbildung ergänzt werden muß. Diese Weiterbildung, von der Etymologie des Wortes her als ein Formen, Gestalten zu verstehen, wird sinngemäß nicht von Jugendlichen, sondern von Erwachsenen betrieben. Es ist also eine der drängendsten Aufgaben, eine Unterrichtsform für Berufstätige zu finden, die einerseits den Erwachsenen anspricht, andererseits zeitlich und finanziell zumutbar ist. Eine dieser Methoden, die diese Anforderungen weitgehend erfüllt, ist der seriös durchgeführte Fernunterricht.

Unter Fernunterricht versteht man die Vermittlung von Wissen auf brieflichem Wege. Der Schüler arbeitet daheim Lehrbriefe (Arbeitshefte) durch. Die Kontrolle seines Kenntnisstandes erfolgt durch die Korrektur der Hausarbeiten, die er anzufertigen hat. Dieses Unterrichtsprinzip weist für den Schüler eine Reihe von Vorteilen auf: Er ist unabhängig vom Standort der Schule, er kann die zeitliche Ansetzung des Heimstudiums innerhalb eines Monats oder eines Semesters selbst bestimmen, er muß keine Zeit aufwenden für die An- und Abfahrten zum und vom Schulort, er kann das Lehrmaterial später als ein von ihm selbst durchgearbeitetes wertvolles Nachschlagewerk verwenden. Verständlicherweise können diese Vorteile jedoch nur dann zum Tragen kommen, wenn das Lehrmaterial gut ausgearbeitet ist, denn es ist ja für den Schüler Lehrbuch und „Schulstunde“ zugleich.

Der Fernunterricht in der beschriebenen Form ist für Nahziele wie etwa zur Ergänzung technischen Wissens durchaus zweckmäßig und ein oft mit viel Erfolg begangener Weg.

Der Fernunterricht hat jedoch seine Grenzen: Das Experiment im Physikunterricht und das Anschauungsmaterial in der Biologie z. B. können im Fernunterricht nur beschrieben – nicht aber erlebt werden. Die Diskussion mit Mitschülern und Lehrern fehlt und damit die Entwicklung von Gedankenfolgen im Gespräch, das Ringen um die eigene Erkenntnis in der Diskussion mit anderen, das erklärende Wort des Lehrers. Diese einschränkenden Feststellungen können allerdings dem Fernunterricht nichts von seiner großen volkswirtschaftlichen Bedeutung nehmen. Fernstudium als später Weg, Versäumtes nachzuholen oder neue Wissensgebiete zu erobern, kann naturgemäß nicht alle Vorzüge der Bildungsvermittlung öffentlicher Schulen haben. Es gibt jedoch heute bereits Institute, bei denen Fernstudium mit Direktunterricht sinnvoll gekoppelt wird.

Für anspruchsvollere Lehrziele, wie etwa die staatliche Abiturprüfung, ist das eine interessante und wertvolle methodische Ergänzung.

Betrachten wir das am Modell eines entsprechenden Abiturvorbereitungsstudiums. Während der ersten Phase erhält der Schüler in festgesetzten Abständen nach einem bestimmten Plan und in wohlabgewogenen Dosen den Wissensstoff, den er zu erarbeiten hat, ins Haus geliefert. Es ist jedoch der Einsatz eines Teams geeigneter Fachleute nötig, um die zu unterrichtende Materie in didaktisch optimaler Weise und unter Wahrung der wissenschaftlich korrekten Darstellung zu vermitteln. Durch eingeschobene Fragen, Übungen und Wiederholungen wird der Schüler zum Mitdenken gezwungen. Seine Fortschritte werden durch ausgedehnte periodisch zu lösende schriftliche Aufgaben kontrolliert. Zudem hat er sich von Zeit zu Zeit mündlichen Prüfungen zu unterziehen.