Ehk, Bonn

In manchen Bonner Ministerien, so hat einmalein Spötter gesagt, müßten sich viele Beamte den Kopf darüber zerbrechen, welche Schriftstücke nicht als geheim oder wenigstens als vertraulich zu behandeln seien. Das ist gewiß eine Übertreibung, aber immerhin kann nicht bestritten werden, daß Stempel dieser Art schnell zur Hand sind, auch dann, wenn die Angelegenheit gar nicht so schutzbedürftig oder sogar der Öffentlichkeit schon bekannt ist.

So wissen zumindest die Leser der ZEIT, aus einem in der Ausgabe vom 10. Januar veröffentlichten Artikel (Rüstungswettlauf mit verringertem Tempo), daß das NATO-Generalsekretariat in seinem Bericht über die Verteidigungsausgaben der NATO-Mitglieder im vergangenen Jahr zum erstenmal auch die Ausgaben der Bundesrepublik für Berlin anführt und dazu ausdrücklich bemerkt, daß die Bundesregierung „im Interesse der Verteidigung der freien Welt“ verpflichtet ist, Berlin zu unterstützen. Im Bundestag war die Bundesregierung wiederholt aufgefordert worden, in Paris darauf zu drängen, daß diese Sonderlasten (1962 waren es 1,44 Milliarden DM und 1963 fast 1,63 Milliarden DM) bei der Beurteilung des deutschen Beitrags zur Verteidigung des Westens gewürdigt werden. Man hätte nun doch annehmen sollen, die Bundesregierung werde den Bundestag gern davon unterrichten, daß sie endlich Erfolg gehabt habe.

Nichts von alledem: nach amtlichem Sprachgebrauch geht es hier um vertrauliche Dinge, und deshalb sind nur die zuständigen Ausschüsse des Bundestages über den Stand der Dinge informiert worden. Die übrigen Abgeordneten sind gehalten, die Zeitung zu lesen, was sie nun auch, um auf dem laufenden zu bleiben, tun sollten ...