Die Nachricht ist verbürgt und kann in einem einzigen Satze wiedergegeben werden: „In Bulgarien wurde soeben ein Mann ins Gefängnis geworfen, weil er einen Witz erzählt hatte.“ Ich nahm diesen Satz und trug ihn einem Manne vor, der für seine witzige Art, die Welt zu sehen, berühmt ist. Seine Gegenfrage kam sofort: „Was war das für ein Witz? Erzählen Sie rasch!“

„Es ist eine verbürgte Nachricht“, sagte ich. „Bedenken Sie: der Mann sitzt! Er hat seine Strafe schon angetreten! Es ist ein Architekt namens Bojan Tschinkoff, und die Stadt, wo er den Witz erzählte, heißt Plowdiw. Fünf Jahre muß der Arme brummen!“

„Also schießen Sie doch endlich los!“

„Losschießen?“

„Mit dem Witz, Menschenskind! Her mit dem Witz!“

Und da stand ich recht betreten, weil ich den Witz nicht wußte. Niemand weiß den Witz außerhalb Bulgariens! Und das ist auch erklärlich, weil die bulgarischen Zeitungen zwar die verbürgte Gerichtsmeldung selbst, nicht aber den Witz, den strafbaren, veröffentlicht haben, sonst hätten ja wohl die Zeitungsleute – Setzer und Metteure, Drucker und Botenfrauen eingeschlossen – allesamt fünf Jahre ins Gefängnis wandern müssen. Und schließlich hätten dann die Leser den Mund nicht halten können und den Witz ihrerseits weitererzählt, womöglich noch verschärft. Oder, falls sie wirklich imstande gewesen wären, ihre Zunge zu hüten, sie hätten wenigstens mit dem Finger dorthin getippt, wo der bewußte Witz in der Zeitung zitiert wäre. Es wäre schließlich das ganze Volk ins Gefängnis gekommen, so daß fünf Jahre hindurch eine bulgarische Geschichte nicht hätte stattfinden können. Und alles wegen eines Witzes! Das eben ist der Grund, warum außer dem Architekten Tschinkoff, außer seinen lachlustigen Freunden und hämischen Feinden unter der Bürgerschaft von Plowdiw, außer den dortigen pflichtgetreuen Polizisten und dienstfreudigen Richtern, außer den hohen Herren von der Geheimen Staatspolizei in Sofia kein Mensch auf Gottes lustiger Erde weiß, wie denn eigentlich dieser Witz lautet, der in Bulgarien fünf Jahre Gefängnis kostet. Und niemand anderer wird je den Witz erfahren.

„Sagen Sie das nicht!“ meinte jedoch der Mann, der für seine witzige Art berühmt ist. „Findige ausländische Reporter könnten nach Plowdiw gehen und den Witz auftreiben, wie einst die Tierfänger im Kongo auch das Okapi aufgetrieben haben, von dem man lange Zeit nur hatte munkeln hören.“