Ein Kölner Wirt, der sich recht witzig vorkommt, hat seine Speisekarte von einem Zeichner verzieren lassen: Oben ist ein Spinngewebe, links sieht man einen Nachtwächter mit Hellebarde und Laterne, der in sein Horn bläst. Rechts steht in altmodischen Lettern:

„Bekanntmachung! Das neue Lebensmittelgesetz schreibt dringend vor, daß alle Lebensmittel, die zugelassene Konservierungs-, Farb- und Aromastoffe enthalten, gekennzeichnet werden müssen. Nach § 1 Abs. 1 der Konservierungsstoff-Verordnung vom 12. 9. 1659*) sind nachstehende Stoffe zugelassen: 1. Sorbinsäure, 2. Benzolsäure, 3. PHB-Ester, 4. Ameisensäure, 5. Hexamethylentetramin, 6. Farbstoffe, 7. Aromastoffe ...“

Darunter steht zu *) die Anmerkung: „Druckfehler – heißt: 1959!“ Im folgenden weist der Wirt darauf hin, daß bei ihm kaum kennzeichnungspflichtige Speisen serviert würden. „Nur bei einigen Beilagen“ sei das seiner Meinung nach unumgänglich.

Sicher ist, daß dieser Wirt – im Gegensatz zu anderen – mit „kennzeichnungspflichtigen“ Stoffen sehr sparsam umgeht. Sicher ist aber auch, daß er auf seiner Speisekarte sechzehnmal der Kennzeichnungspflicht hätte nachkommen müssen und nicht nur bei Beilagen. Krabben, Preiselbeeren, Pflaumen und andere sind ja nicht nur Beilagen. Und ob die Verwendung vom Hexamethylentetramin „unumgänglich“ ist, damit wird sich in einigen Tagen, am 7. Februar, der Deutsche Bundesrat befassen.

Dieser Stoff, der auch kurz Hexamin genannt wird, sollte ursprünglich gar nicht mehr zugelassen werden. Er wird vor allem zur Konservierung von Krabben und Marinaden verwendet und gilt als gesundheitsschädlich. Nach der Konservierungs-Verordnung vom 19. Dezember 1961 war die Verwendung von Hexamin zunächst für zwei weitere Jahre gestattet, um der Fischindustrie Gelegenheit zu geben, sich umzustellen. Gleichzeitig hat die Bundesregierung diese Frist noch einmal – aber ausdrücklich zum letztenmal – verlängert. Im Herbst 1963 wurde daraufhin die Lobby der Fischwirtschaft und der Grünen Front abermals mobil.

Am 23. Oktober 1963 fragte der CDU-Abgeordnete Müller-Hermann (Bremerhaven) die Bundesministerin für das Gesundheitswesen, Dr. Elisabeth Schwarzhaupt: „Kennt die Bundesministerin für das Gesundheitswesen die existenzgefährdenden Schwierigkeiten, die sich für die Fischwirtschaft aus dem Verbot einer weiteren Verwendung des Konservierungsmittels ... ergeben ...

Elisabeth Schwarzhaupt ging in ihrer Antwort auf den Inhalt des Lebensmittelgesetze: und die Geschichte der Fristverlängerung ein und sagte: